Die Energiewende schreitet weltweit intensiv und schnell voran. Dabei zeigt sich momentan, wie vielfältig dieser Bereich ist. Diverse (Test-)Projekte werden verwirklicht, die künftig die schöne neue Energiwelt prägen könnten.
RWE realisiert ein Photovoltaik-Speicher-Hybridkraftwerk im Tagebau Hambach. Der „RWE Neuland Solarpark“ soll gemeinsam mit Neuland Hambach betrieben werden und wird eine Photovoltaik-Leistung von 12,2 Megawatt mit einem 8,1-Megawattstunden-Großspeicher kombinieren. Fertiggestellt werden soll das Projekt bis zum Jahresende. Der Solarpark entsteht auf einer rekultivierten Tagebaufläche im Uferbereich des künftigen Hambacher Tagebausees. Bis der Solarpark indes den Seeblick genießen kann, werden wohl noch ungefähr 40 Jahre ins Land gehen.
Auch der Heimspeichermarkt in Deutschland entwickelt sich derzeit erfreulich gut. Im ersten Halbjahr verzeichnete das Segment einen Zubau von rund 250.000 neuen Systemen. Kumuliert bringen diese es auf eine Speicherleistung von 2,2 Gigawattstunden. Neben der insgesamt hohen Nachfrage kam verstärkend hinzu, dass Anfang 2023 die Mehrwertsteuer für neue Photovoltaik-Anlagen und Heimspeicher faktisch abgeschafft wurde.
Parallel sind auch die Märkte für Gewerbe- und Großspeicher gewachsen, wie die Analyse „The development of battery storage systems in Germany: A market review“ dreier Forscher der RWTH Aachen zeigt. Rund 1.100 neue Speichersysteme mit einer Gesamtspeicherkapazität von 70 Megawattstunden und einer Leistung von 31 Megawatt wurden hier zugebaut. Dies entspricht einem Kapazitätswachstum von 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr und stellt zugleich den höchsten bislang dokumentierten Zubau dar. Mit durchschnittlich rund 65 Kilowattstunden sind die meisten Gewerbespeicher jedoch weiterhin recht klein.
Bei den Großspeichern sind insgesamt 28 Projekte mit 125 Megawattstunden und 107 Megawatt ans Netz gegangen – das entspricht einem Wachstum von etwa 175 Prozent.
Derweilt entsteht im oberbayerischen Geretried ein Geothermie-Kraftwerk mit besonderer Bohrtechnik. Seit Oktober 2022 liefen die Vorbereitungen. Die Vorgeschichte reicht sogar bis 2013 zurück: Seinerzeit trieb man eine Probebohrung bis auf 6.000 Meter vor – damals das tiefste Bohrloch Europas. Wasser wurde dabei nicht gefunden, aber heißes Gestein. Dieses soll künftig als Tiefen-Wärmetauscher zur umweltfreundlichen Energiegewinnung genutzt werden.
Dabei werden in etwa 4.500 Metern Tiefe horizontale Röhren (Loops) ins Gestein gebohrt. Dann wird Wasser in die Tiefe geleitet. Dieses Wasser erhitzt sich in dem bis zu 170 Grad heißen Gestein und kommt mit einer Temperatur von bis zu 120 Grad Celsius wieder an die Oberfläche. Möglich wird dies, weil der Untergrund geologisch bestens erforscht ist.
Die Anlage soll als grundlastfähiges Kraftwerk zur Stromgewinnung betrieben werden. In einem weiteren Schritt soll die 25.000-Einwohner-Stadt Geretsried mit Fernwärme versorgt werden. Im Endausbau soll die Anlage 8,2 Megawatt Strom und 64 Megawatt thermische Energie liefern. Sollte die neue Technik funktionieren, wäre nach Einschätzung von Geowissenschaftlern in vielen Teilen Deutschlands Wärmegewinnung mit dem „Eavor Loop“ möglich.
Kühler geht es im weltweit größten schwimmenden Windpark zu. „Hywind Tampen“ heißt er und entstand vor der norwegischen Küste. Der Windpark besteht aus elf Turbinen, die jeweils bis zu 8,6 Megawatt Strom produzieren. Sie versorgen fünf nahe Öl- und Gasplattformen – immerhin 35 Prozent der benötigten Energie kommen so zusammen. Der Windpark liefert schon seit Ende 2022 Strom.