Die Energiewende dürfte bis 2035 wohl zwischen 700 und 860 Milliarden Euro kosten. Diese Zahlen errechnete die Unternehmensberatung McKinsey für das „Handelsblatt“. Als Grundlage dienen die bisherigen Beschlüsse etwa zum Umbau der Energienetze und zum Ausbau erneuerbarer Energien.
Laut McKinsey ließen sich indes 150 Milliarden Euro einsparen, ohne zugleich die Klimaschutzziele zu gefährden. Diese Einsparungen würden sich außerdem dämpfend auf das Strompreisniveau auswirken und die Versorgungssicherheit erhöhen.
Einsparmöglichkeiten sieht McKinsey insbesondere bei den Investitionen in erneuerbare Energien und beim Ausbau der Stromnetze.
Bei den Übertragungs- und Verteilnetzen sieht McKinsey ein Einsparvolumen von 70 Milliarden Euro. Dabei wird unterstellt, dass bei einem geringeren Erneuerbaren-Ausbau der Stromtransportbedarf deutlich sinkt. Das würde sich auf der Übertragungsnetz- und der Verteilnetzebene bemerkbar machen. Diese Ersparnis könnte sogar noch höher ausfallen: Würde man beim Ausbau der Übertragungsnetze vermehrt Freileitungen bauen, statt auf Erdverkabelung zu setzen, ließen sich die Investitionen bis 2035 um weitere „rund 20 bis 40 Milliarden Euro“ reduzieren.
Beim Ausbau der erneuerbaren Energien rät McKinsey zu einem „etwas geringeren Ausbau“. Als Beispiel dient etwa der Zubau von Photovoltaik-Kapazitäten. Dieser schreite rasch voran. Die PV-Kapazitäten entlasteten das Stromsystem aber insbesondere im Winter nur sehr wenig. Zugleich löse der Photovoltaik-Ausbau hohen Ausbaubedarf insbesondere im Stromverteilnetz aus. Das sei nicht besonders effizient.
Eine Reduzierung des Ausbaus der erneuerbaren Energien würde einen Teil der kostenintensiven Stromleitungen überflüssig machen. Im Gegenzug müssten aber zusätzliche wasserstofffähige Gaskraftwerke vor allem im Süden Deutschlands entstehen. McKinsey veranschlagt 20 Milliarden Euro zusätzliche Investitionen für den Ausbau dieser disponiblen Kapazitäten. Folge man den aktuellen Planungen, sei Deutschland 2030 nicht in der Lage, seine Spitzenlast aus inländischer Erzeugung zu decken. „Um die Nachfrage zu befriedigen, müsste Deutschland dann auf eine ausländische Kraftwerkskapazität von circa 16 bis 30 GW zugreifen, was circa 20 Großkraftwerken entspricht“.
Der von McKinsey veranschlagte Investitionsbedarf, 250 Milliarden Euro für den Bau der Übertragungsnetze, 120 bis 160 Milliarden Euro für den Ausbau der Verteilnetze, 300 bis 400 Milliarden Euro für den Ausbau erneuerbarer Energien und 30 bis 50 Milliarden Euro für den Ausbau „disponibler Kapazitäten“, bewegt sich im Rahmen von Branchenschätzungen. Eine Analyse des Handelsblatt Research Institute kommt für die Zeit bis 2045 sogar auf Kosten von 1,1 Billionen Euro.