Erdgas hat im letzten Jahr Preisspitzen erreicht, die vordem undenkbar waren. Auch wenn sich zu Jahresbeginn die Situation teilweise ein wenig entspannt hat, bleibt uns die Hochpreisphase wohl noch eine Weile erhalten. Davon geht zumindest die EU-Kommission aus. Laut Energiekommissarin Kadri Simson, so zu vernehmen im Industrieausschuss des Europäischen Parlaments, werden die Energiepreise „hoch bleiben und die Märkte volatil“. Selbst wenn diese Phase beendet sei, würden sich die Preise wohl auf einem Niveau „über dem historischen Durchschnitt“ stabilisieren. Insbesondere die hohe Nachfrage in Asien treibe die Preise. Hinzu käme aktuell die große Nervosität aufgrund der geopolitischen Lage. Ein Hoffnungsschimmer bleibt dabei: Die EU habe aus der letzten Krise gelernt und in die Diversifizierung ihrer Versorgung investiert.
Schaut man auf die Zahlen für den Januar, bleibt es indes bei einer Abhängigkeit von wenigen Lieferanten: 38 Prozent des Erdgas-Bedarfs wurde aus Speichern gedeckt, 36 Prozent stammte aus Pipeline-Zulieferungen, 19 Prozent stammte aus rückvergastem LNG und nur 7 Prozent aus EU-Eigenproduktion. Größter Lieferant von verflüssigtem Erdgas waren die USA (22 Milliarden Kubikmeter), Russland (16 Milliarden Kubikmeter) und Katar (ebenfalls 16 Milliarden Kubikmeter). Etwa 20 EU-Staaten sind nach Kommissionsangaben von russischen Einfuhren abhängig. Zurzeit befinde sich die EU-Kommission in Verhandlungen mit Katar, den USA und Aserbaidschan, um höhere LNG-Lieferungen zu erreichen. Die europäischen LNG-Terminals hätten noch große Aufnahmekapazität.
Wenig verwunderlich: Der polnische Abgeordnete Jerzy Buzek schrieb die Schuld für die Gasknappheit Russland zu. Laut der Energiekommissarin gehe die EU-Kommission diesem Vorwurf in der Tat bereits nach. Neben dem russischen Staatskonzern Gazprom prüfe man bei sechs weiteren Erdgasproduzenten mögliche Manipulationen. Diese seien aber schwer nachzuweisen.
Fakt ist: Die Lieferungen von Gazprom über die Pipelines durch Polen und die Ukraine gingen deutlich zurück. Ende Januar kam auf diesem Weg nur noch halb so viel Erdgas nach Europa wie ein Jahr zuvor. Polen etwa wurde den gesamten Januar über von Deutschland mit Erdgas beliefert. Mit Engpässen müsse man noch nicht rechnen: Die Speicher der EU waren Anfang Februar noch zu 40 Prozent gefüllt; allerdings seien das 10 Prozent weniger als in der gleichen Woche des Vorjahres. Hauptursache dafür sei das niedrige Niveau in den von Gazprom betriebenen Speichern. Diese wiesen nur eine Füllung von 16 Prozent ihrer Kapazität auf.