Erdgas: NordStream 1 mit weniger Durchfluss

vom 15.06.2022

Nach wie vor ist Russland der Hauptlieferant von Erdgas für Deutschland. Und die Haupttransportstrecke ist dabei die Pipeline NordStream 1. Doch diese beschickt der russische Staatskonzern Gazprom jetzt mit deutlich weniger Erdgas. In zwei Schritten senkte Gazprom den Gasdurchfluss auf aktuell 67 Millionen Kubikmeter. Das sind nur noch 40 Prozent der Kapazität der Pipeline.

Zur Begründung hieß es von russischer Seite, verzögerte Wartungsarbeiten machten dies nötig. Die Schuld dafür liege bei dem beauftragten Unternehmen Siemens.

In der Folge legten die Erdgaspreise an den Energiebörsen erneut zu. Zeitweise kostete die Megawattstunde mehr als 135 Euro. Die europäischen Staaten befürchten nun, dass Gazprom seine Lieferungen noch weiter kürzen wird. Dies liegt auch daran, dass Gazprom aktuell systematisch Gaslieferungen in die ganze EU reduziert. Auch Frankreich, Italien, Tschechien und Österreich sollen weniger Erdgas aus Russland erhalten.

Gazprom-Chef Alexeij Miller zufolge fehlten zur Reparatur von Gaskompressoren wichtige Ersatzteile, die von Kanada wegen der bestehenden Sanktionen gegen Russland nicht geliefert werden könnten. Der Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sieht das Vorgehen hingegen als politisch motiviert. „Die aktuellen Meldungen zeigen deutlich: Die Begründung der russischen Seite ist schlicht vorgeschoben. Es ist offenkundig die Strategie, zu verunsichern und die Preise hochzutreiben.“ Aktuell könnten die benötigten Mengen am Markt beschafft werden, wenn auch zu hohen Preisen. So werde denn aktuell noch eingespeichert. Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet. „Die aktuelle Lage zeigt aber auch: Energiesparen ist das Gebot der Stunde. Und natürlich werden wir auch staatliche Maßnahmen ergreifen, wenn dies nötig ist.“

Parallel bemüht sich die Bundesregierung um eine Freigabe durch Kanada – dort wird die benötigte Turbine überholt. Laut Siemens Energy sei die Gasturbine derzeit zur Überholung in Montreal und könne aufgrund der kanadischen Sanktionen nicht zurück an den Kunden geliefert werden. Die Turbinen werden benötigt, um den notwendigen Druck des Erdgases in der Pipeline zu erhöhen.