Die Energiewende hat in Deutschland den Strommarkt deutlich umgekrempelt. Weniger Wirkung hat sie dagegen im Wärmesektor entfaltet. Dabei bietet vor allem die Wärmewende großes Potenzial, gerade auch in Hinblick auf den Klimaschutz. Denn noch immer heizen in Deutschland (Stand Mai 2023) 74 Prozent der Haushalte mit Heizöl und (Erd-)Gas.
Einen Impuls für den Wärmesektor will nun der Bundeswirtschaftsminister setzen. Nachdem die Diskussionen zu Wärmepumpen im Kontext der GEG-Novelle nicht sehr vorteilhaft für die Bundesregierung verliefen, will das BMWK nach einem Treffen mit Branchenvertretern die Fernwärme deutlich voranbringen. Pro Jahr sollen künftig 100.000 Gebäude ans Fernwärmenetz angeschlossen werden.
Die Bundesregierung hat sich mit der Branche bereits auf die Rahmenbedingungen für den Ausbau geeinigt. Bis 2030 soll die Hälfte der Wärme klimaneutral erzeugt werden. Wie der Bundeswirtschaftsminister zur Einordnung sagte, glaube der Bund, „dass Fernwärme ganz häufig eine attraktive Antwort auf die Frage der Dekarbonisierung sein kann“. Das Ziel ist recht klar: Bis 2045 soll sich die Zahl der an Fernwärmenetze angeschlossenen Gebäude verdreifachen. Aktuell werden 14,2 Prozent der Wohnungen in Deutschland mit Fernwärme geheizt.
Deutschland werde sich laut Robert Habeck ein Beispiel an Dänemark nehmen. Dort seien bereits 65 Prozent der Haushalte an Fernwärmesysteme angeschlossen. Parallel soll auch die Energieträgerstruktur deutlich grüner werden. Aktuell stammt nur knapp ein Fünftel der Fernwärme aus erneuerbaren Energien. „Wenn wir ungefähr Ähnliches bis 2045 erreichen wollen, müssen wir das, was in Dänemark in den letzten 50 Jahren entstanden ist, in den nächsten 25 Jahren hinbekommen“.
Der größte Teil der Fernwärmenetze in Deutschland, gut 90 Prozent, wird von Stadtwerken betrieben. Diese sind sich der großen Herausforderungen bewusst, erfordert der Um- und Ausbau doch erhebliche, langfristige Investitionen. Die Branche ist dennoch zuversichtlich. Dem „Handelsblatt“ sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Ingbert Liebing, er halte eine Verdreifachung des Marktanteils der Fernwärme bis 2045 für denkbar.
Eher kritische Stimmen kamen von den Verbraucherzentralen. So reiche es laut Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), nicht aus, den Ausbau der Fernwärme voranzutreiben. Ihrer Ansicht nach sorgten stellenweise unregulierte Monopole einzelner Anbieter für hohe Preise. Es brauche eine vernünftige Kontrolle zum Beispiel durch eine bundesweite Preisaufsicht. Auch eine Einspeisung Dritter müsse ermöglicht werden. Außerdem gelte: „Investitionen müssen fair verteilt werden.“