Die deutschen Gasspeicher füllen sich dieses Jahr langsamer als sonst. Der EU-Dachverband der Speicherbetreiber, Gas Infrastructure Europe (GIE), meldet für Deutschland derzeit einen durchschnittlichen Füllstand von 46 Prozent. Im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021 waren es zu diesem Zeitpunkt 58 Prozent. Aktueller Hauptgrund: Die gestiegenen Einkaufspreise für Erdgas in Folge der Kriegshandlungen im Nahen Osten.
Aber auch die Folgen des zurückliegenden Winters sind noch nicht überwunden. Dieser war kälter als in den Vorjahren, außerdem verbrauchte die Industrie mehr Erdgas als sonst. So leerten sich die Speicher bis Ende März auf 29 Prozent ihrer Kapazität statt der sonst üblichen 39 Prozent.
Traditionell werden die Erdgasspeicher in den Sommermonaten aufgefüllt. Zu dieser Zeit des Jahres ist Erdgas auf dem Weltmarkt günstiger als im Winter, wenn die Nordhalbkugel das Erdgas zum Heizen braucht.
Vor allem der Krieg zwischen Israel und dem Iran hat die Erdgaspreise zu einem ungünstigen Zeitpunkt steigen lassen. Um rund 13 Prozent legte der Preis für die Megawattstunde am für Deutschland entscheidenden niederländischen Handelspunkt TTF zu. Zwar bezieht Deutschland kaum Gas aus der Krisenregion, doch die Sorge davor, dass der Iran die Straße von Hormus sperren könnte, ließ die globalen Preise ansteigen. Über die Meerenge exportiert etwa Katar sein Erdgas für den Weltmarkt.
Die Bundesregierung sieht trotz der derzeit niedrigen Speicherstände die deutsche Versorgungssicherheit nicht gefährdet und verweist auf die jüngst wieder steigenden Füllstände. Zu Jahresbeginn hätten vor allem „Marktspekulationen“ zu geringen Einspeicherungen geführt, denen die Regierung inzwischen mit einer neuen Gasfüllstandsverordnung entgegengewirkt habe. Ein staatlicher Eingriff werde nicht geplant.