E.ON hat mit der Aufspaltung seines Portfolios in alte (Kohle) und neue (Ökoenergien) Geschäftszweige den Weg vorgegeben, den nun auch eine andere Branchengröße gehen will. Wie die Steag mitteilte, sei der Beschluss in Grundzügen gefasst, die Kohlekraftwerke vom Ökoenergiegeschäft durch Auslagerung in je eine eigene Geselschaft zu trennen, die jedoch unter dem Dach einer Mutter verbunden bleiben sollen. Die endgültige Entscheidung soll voraussichtlich im Herbst fallen. Das ist kein kleiner Schritt bei einem Unternehmen, das das schwarze Gold der Ruhr im Namen trägt: Steag steht für Steinkohlen-Elektrizität AG.
Der Beschluss ist auch eine Art von Befreiungsschlag für sechs Ruhr-Stadtwerke, die mit ihren Kommunen als Eigner hinter Steag stehen. Das Ziel der seinerzeit für 1,2 Milliarden Euro erfolgten Akquisition war, die Steag „perspektivisch als großen Player der Energieversorgung“ zu etablieren. Die Herausforderung hierbei: Selbst das chronisch lange an vergangenen Technologien festhaltende Deutschland hat den Kohleausstieg bis 2030 beschlossen!
Laut Steag-Chef Andreas Reichel soll das Vorgehen es den Eignern ermöglichen, „einen Verkauf ihrer Anteile zu angemessenen Konditionen“ hinzubekommen. „Die Chancen, dass das zweigeteilte Unternehmen als Ganzes verkauft werden kann, sind zuletzt deutlich gestiegen.“ Der tendenziell wertvollere Bereich wäre dabei wohl die „grüne“ Steag. Rund 3.800 Angestellte kümmern sich hier um in- wie ausländische Wind- und Solarparks sowie Wärmelösungen über Erdwärme oder Biomasse. Hier erwirtschaftete der Gesamtkonzern 2021 etwa 40 Prozent der Betriebsgewinne.