Noch haben SPD, Grüne und FDP die Koalitionsverhandlungen nicht offiziell begonnen – und doch kommen nun bereits immer mehr Forderungen aus der Gesellschaft für das wahrscheinliche Regierungsbündnis auf den Tisch. Eine der jüngsten stammt von der Unternehmensinitiative „Stiftung 2 Grad“. Wie der Name sagt, fühlt sich diese dem 2-Grad-Ziel als absolutem Maximum des mittleren Temperaturanstiegs verpflichtet, das die Klimakonferenz von Paris 2015 formulierte. Die Stiftung hat einen Brief an die künftige Bundesregierung formuliert, den 69 deutsche Unternehmen unterzeichnet haben.
Zu der Unterstützergruppe gehört die Crème de la Crème der deutschen Wirtschaft: Von der Allianz über Otto und Rossmann bis zu SAP, EnBW und den Stadtwerken München. Ihre Forderung für die ersten 100 Tage der neuen Regierung: Ein massiver Ausbau von Wind- und Solarparks – und einen schnelleren Kohleausstieg als geplant bis 2038.
In dem Brief heißt es dazu, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien wie auch der erforderlichen Stromnetze „massiv beschleunigt werden“ müsse. „Bis 2030 müssen mindestens 70 Prozent des steigenden deutschen Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden.“ 2020 betrug der Anteil der erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung erstmals mehr als 50 Prozent. Deshalb müsse nun die installierte Kapazität von Windkraft sowie Solaranlagen „nahezu verdreifacht werden.“
Das Ziel der Unternehmen ist dabei, der Energiewende einen entscheidenden Impuls zu geben: Zusammen mit anderen Maßnahmen könne man „gezielt die Voraussetzungen für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung deutlich vor 2038 […] schaffen“.
Die Unternehmen wollen mit ihrer Initiative natürlich zum einen frühzeitig Einfluss auf die Klimapolitik der sich formierenden neuen Bundesregierung nehmen. Aber es spricht auch eine tiefe Sorge aus dem Brief: Nämlich, dass die oftmals zu zögerliche deutsche Politik ein „dringend“ notwendiges, „umfassendes und konkretes klimapolitisches Maßnahmenprogramm“ verschleppt. Ein solches sei jedoch nötig, um das staatlich gesetzte Klimaschutzziel für das Jahr 2030, sprich eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 65 Prozent, noch zu erreichen. Schon in den ersten 100 Tagen müsse die neue Koalition dafür eine „Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität“ starten. Zudem erwarten die Unternehmen eine „klimafreundliche Reform des Steuern-, Abgaben- und Umlagesystems“.