Ist Atomkraft wirklich klima-relevant?

vom 11.11.2021

Atomkraft scheint vor einer Renaissance zu stehen: Frankreich kündigte kürzlich an, neue Großreaktoren zu bauen und ebenfalls auf die aktuell stark propagierte Technik der Mini-Reaktoren setzen zu wollen. Das Land setzt seit Jahren schon große Hoffnungen in den angeblich sicheren Europäischen Druckwasserreaktor (EPR), der seit 2007 in Flamanville gebaut wird. Eigentlich sollte dieser bereits 2011 ans Netz gehen. Aktuell ist die Fertigstellung für 2024 geplant, die Kosten stiegen von anvisierten drei auf mindestens 19 Milliarden Euro.

Erst kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz war zudem bekannt geworden, dass die EU plant, in der in Arbeit befindlichen Taxonomie zu nachhaltigen Investments auch die Atomkraft entsprechend einzustufen. Dem Vernehmen nach habe es hierzu eine Einigung zwischen Frankreich und Deutschland gegeben.

Gleichwohl machte die geschäftsführende Bundesumweltministerin Svenja Schulze in Glasgow klar: Atomkraft sei „zu riskant, zu langsam und zu teuer für die entscheidende Dekade im Kampf gegen den Klimawandel.“ Demonstrativ warnte Deutschland gemeinsam mit Dänemark, Österreich, Luxemburg und Portugal davor, Atomenergie als nachhaltig einzustufen.

Betrachtet man die Zahlen nüchtern, spricht zumindest weltweit eher nichts für die gefühlte Renaissance des Atoms: In Frankreich stammen 70 Prozent der Stromproduktion aus Atomkraftwerken. Kein anderes Land weist einen höheren Anteil auf. Weltweit jedoch trägt die Atomenergie nur etwa zehn Prozent der Stromproduktion. Zwei Drittel davon entfallern zudem auf nur fünf Staaten. In vier Fünftel der Welt spielt Atom im Energiemix keine Rolle. Christoph Bals von der Denkfabrik Germanwatch gibt denn auch zu bedenken, dass „die Klimakonferenz um Lösungen für die ganze Welt [ringt] und nicht nur für einige wenige“.