Offiziell gilt für Deutschland nach wie vor die sogenannte Alarmstufe des Notfallplan Gas. Doch die guten Rahmenwerte sorgen inoffiziell offenbar eher nicht mehr für Anspannung auf Seiten des Bundes. So kann denn etwa Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bei einem Bürgerdialog die Energiekrise ad acta legen.
So geschehen bei einem Gespräch mit Lesern der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Dort sagte der Bundeswirtschaftsminister: „Das russische Gas fehlt nicht mehr, also jedenfalls nicht als Menge an Molekülen.“ Denn die Gasspeicher seien längst gefüllt, alle Vorgaben eingehalten. „Es gibt keine Gasmangellage mehr“.
Für die weiterhin hohen Gaspreise, die Verbraucher zahlen müssen, hat der Minister eine durchaus nicht sofort auf der Hand liegende Erklärung: „Die Preise sind höher, das ist so für Gas, aber nicht, weil wir eine Knappheit haben. […] Es gibt keine Mangelsituation mehr, aber die Gaspreise sind höher als 2017 bis 2019“. Für den Gaspreisanstieg im Sommer seien die extrem heißen Temperaturen in Asien und Teilen Europas verantwortlich. Dort hätten „die Klimaanlagen die ganze Zeit geballert“. Das zeige, dass die globale Erwärmung an ganz unerwarteten Stellen einen preistreibenden Effekt habe.
Der Bundeswirtschaftsminister geht indes davon aus, dass der Gaspreis noch etwas sinken werde, wenn das Angebot auf dem Weltmarkt für Flüssiggas steige. Allerdings könne es durchaus sein, dass „der Gaspreis moderat über den Preisen der Vor-Covid-Jahre liegen wird, weil das Gas aus Russland halt Pipeline-Gas war und jetzt das LNG-Gas noch verschifft werden muss, es muss runtergekühlt und aufs Schiff verladen und über den Ozean geschickt werden und das macht es in der Regel teurer.“ Das müssten Unternehmen in Zukunft einkalkulieren – und das betreffe ganz Europa, nicht nur Deutschland.
Bei dem Gespräch warnte Habeck auch vor einer weiteren Kostenexplosion bei Strom: Für die Energiewende, in der vor allem auf erneuerbare Quellen wie Solar- und Windkraft gesetzt wird, muss das Stromnetz massiv ausgebaut werden. „Ich hoffe, dass die Kraft noch reicht, das in dieser Legislaturperiode noch grundsätzlich zu verabschieden.“