Kinder besonders vom Klimawandel betroffen

vom 20.08.2021

Die UN-Kinderhilfswerk Unicef hat den ersten Klima-Risiko-Index für Kinder veröffentlicht. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Klimawandel und Umweltbelastungen bedrohen die Gesundheit, Bildung und den Schutz der Kinder und setzen sie tödlichen Krankheiten aus. Besonders gefährdet sind dabei Kinder, die in der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad, in Nigeria, Guinea und Guinea-Bissau leben. Unicef hat den Index gemeinsam mit Fridays for Future zum dritten Jahrestag der globalen Klimastreikbewegung veröffentlicht. Deutschland liegt in der Rangliste auf Platz 142 von insgesamt 163 analysierten Ländern. Kinder hierzulande sind demzufolge im Weltvergleich weniger stark durch die Folgen von klima- und umweltbedingten Gefahren, Schocks und Belastungen betroffen.

Weltweit leben danach etwa eine Milliarde Kinder – fast die Hälfte der insgesamt 2,2 Milliarden Mädchen und Jungen weltweit – in einem der 33 Länder, die aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels als „extrem stark gefährdet“ gelten. Kinder sind dort mehreren klima- und umweltbedingten Gefahren, Schocks und Belastungen ausgesetzt und zudem besonders verletzlich aufgrund der unzureichenden Grundversorgung in den Bereichen Wasser und Sanitär, Gesundheit und Bildung. Die Ergebnisse spiegeln die aktuelle Situation der Kinder wider. Es ist davon auszugehen, dass sich die Zahlen noch verschlechtern, wenn sich die Auswirkungen des Klimawandels beschleunigen.

Dem Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider, zufolge werde das Leben der heutigen Kinder in „erschreckend vielen Ländern bereits stark durch die Klimakrise bestimmt“. Es sei klar, dass nur die konsequente Senkung der Treibhausgas-Emissionen den Klimawandel stoppen könne. Doch der Bremsweg sei selbst bei raschen Entscheidungen lang. „Es muss daher sofort und dringend mehr in die Anpassung der Lebensbedingungen von Kindern an die Veränderungen in ihrer Umwelt investiert werden. Wir müssen ihre Widerstandskraft stärken, indem wir ihre Grundversorgung verbessern und ihnen ermöglichen, zu verstehen, was mit der Erde passiert – auch, um selbst handeln zu können.“

Der Klima-Risiko-Index für Kinder zeigt:

  • 240 Millionen Kinder in Küstenregionen sind stark betroffen von Überschwemmungen,
  • 330 Millionen Kinder an Flüssen sind stark betroffen von Überschwemmungen,
  • 400 Millionen Kinder sind stark betroffen von Wirbelstürmen (Zyklone),
  • 600 Millionen Kinder sind stark betroffen von Krankheiten, die in Folge der Erderwärmung zunehmen,
  • 815 Millionen Kinder sind stark betroffen von Bleivergiftungen,
  • 820 Millionen Kinder sind stark betroffen von Hitzewellen,
  • 920 Millionen Kinder sind stark betroffen von Wasserknappheit und
  • 1 Milliarde Kinder sind stark betroffen von extrem hoher Luftverschmutzung (>35µg/m3).

Während fast jedes Kind weltweit von mindestens einer dieser klima- und umweltbedingten Gefahren bedroht ist, zeigen die Daten, dass die Kinder in den am stärksten betroffenen Ländern mit mehreren und sich oft überschneidenden Schocks konfrontiert sind. Dies gefährdet Entwicklungsfortschritte und droht die Not von Kindern zu verschärfen.

Schätzungsweise 850 Millionen Kinder – jedes dritte Kind weltweit – leben in Gebieten, in denen sich mindestens vier dieser klima- und umweltbedingten Schocks überschneiden. Bis zu 330 Millionen Kinder – 1 von 7 Kindern weltweit – leben in Gebieten, die von mindestens fünf schweren Schocks betroffen sind.

Der Bericht zeigt ein Missverhältnis zwischen den Ländern, in denen Treibhausgas-Emissionen erzeugt werden, und solchen, in denen Kinder unter den stärksten klimabedingten Auswirkungen leiden. Die 33 „extrem risikoreichen“ Länder emittieren zusammen nur 9 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Umgekehrt verursachen die zehn Länder mit den höchsten Emissionen zusammen fast 70 Prozent der weltweiten Emissionen. Nur Indien aus dem Kreis dieser Länder wird im Index als „extrem risikoreich“ eingestuft.

Symbol für den Klimawandel: Feuer und Rauch