Komplett erneuerbar ist möglich

vom 07.06.2021

Deutschland könnte schon 2030 vollständig und zuverlässig zu wirtschaftlich tragbaren Bedingungen mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Energy Watch Group (EWG). Wie die EWG in einer Presseinformation schreibt, sei das dann implementierte Energiesystem ökonomisch vorteilhafter als aktuell.

Die EWG-Studie stellt laut Eigenwerbung „das erste umfassende Energie-Szenario vor, das Deutschlands Weg zu 100 % Erneuerbaren Energien bis 2030 sektorenübergreifend, technologisch und ökonomisch umsetzbar und mit vollständiger Bedarfsdeckung auch in winterlichen Dunkelflauten stundengenau gewährleistet.“

Wie Studien-Leitautor Thure Traber einräumt, seien es derzeit „insbesondere regulatorische, politische und infrastrukturelle Hindernisse, die den zügigen Aufbau eines emissionsfreien Energiesystems in Deutschland verhindern.“ Eine schnelle Beseitigung würde den sofortigen Beginn der energetischen Umstrukturierung ermöglichen.

Konkret untersucht die Studie die Nutzung aller Formen erneuerbarer Energien in Deutschland. Dabei böten sich hierzulande vor allem Windkraft und Photovoltaik an, um die Energieversorgung zu stützen. Beide Energieformen hätten die quantitativ wichtigsten Potenziale der erneuerbaren Energien zu bieten. Die EWG verweist in dem Zusammenhang darauf, dass der Windkraftausbau im Süden fast vollständig zum Erliegen gekommen sei. Daher müsse Windstrom aus Nordsee-Anlagen mittels teurer und energetisch intensiver, langer Überlandleitungen nach Süddeutschland transportiert werden.

Trotz dieser vor allem politisch verursachten Hürde müssten und könnten Investitionen in den Jahren bis 2030 in PV, Windkraft, Bioenergien, Geothermie, Wasserkraft, Speicher, Wärmepumpen und E-Autos „sowie vieler weiterer Technologien“ massiv ausgeweitet werden. Wesentlich sei dabei ein dezentraler Ausbau aller Technologien, insbesondere auch der Windkraft in den südlichen Bundesländern. Damit könne ein weiterer sehr teurer, langwieriger Ausbau von hohen Leitungskapazitäten von Nord nach Süd vermieden werden. Die aktuellen jährlichen Ausbauraten müssten dafür jedoch zum Teil um bis zu 2.000 Prozent steigen. Das erscheine zunächst als immense Steigerung, sei aber machbar. EWG-Präsident Hans-Josef Fell zufolge stelle das zwar durchaus eine technische Herausforderung dar. Aber „[s]olche exponentiellen Wachstumsgeschwindigkeiten ähneln denen, wie sie in bisherigen Technik-Revolutionen der Weltgeschichte oftmals in nur einer Dekade realisiert wurden: Mondlandung, PC, Internet und Mobilfunk.“

Die EWG weist in diesem Kontext auf die besondere Position Deutschlands hin: Nur rund ein Prozent der Weltbevölkerung erwirtschafteten den viertgrößten Anteil der Weltwirtschaft. Die politische Vernachlässigung der erneuerbaren Energien hätte indes dazu geführt, dass dort in den einst führenden Sektoren Wind- und Solarkraft rund 140.000 Arbeitsplätze verschwanden.

Hier geht es zur Zusammenfassung der EWG-Studie

PV & Speicher