Die Zukunft der Energieversorgung könnte sich im Weltraum abspielen. Ein britisches Unternehmen hat einen Meilenstein bei der Entwicklung eines Weltraum-Solarparks erreicht.
Eine bahnbrechende Entwicklung in der Solarenergie bahnt sich in Oxfordshire, Großbritannien an. Wie „Sky News“ berichtet, hat das Unternehmen Space Solar, das hofft, den ersten Solarpark im Weltraum zu errichten, einen wichtigen Meilenstein erreicht – sie haben einen Prototyp auf der Erde getestet.
Solarsystem soll bis 2030 über eine Millionen Haushalte versorgen
Bis zum Jahr 2030 sollen mehr als eine Million Haushalte durch ein Meilen weites Komplex aus Spiegeln und Solarpanels versorgt werden, das sich in 22.000 Meilen Höhe über dem Planeten befindet.
Das ausgeklügelte Design des Systems, CASSIOPeiA genannt, kann kontinuierlich Sonnenlicht einfangen, indem es sich immer zur Sonne ausrichtet und gleichzeitig Strom an einen festen Empfänger auf der Erde sendet.
Dies wurde nun erstmals an der Queen’s University Belfast erfolgreich demonstriert, indem ein drahtloser Strahl über ein Labor gesteuert wurde, um ein Licht einzuschalten.
Neue Technologie soll kontinuierliche Energieversorgung ermöglichen
Laut Martin Soltau, dem Gründer des Unternehmens, würde diese Technologie es ermöglichen, ständig Energie zu erzeugen.
Er sagte gegenüber Sky News: „Dies ist ein weltweit erstes Mal. Sie können ständig Energie bekommen. Das wird wirklich erhebliche Auswirkungen auf unsere zukünftigen Energiesysteme haben.“
Solarmodule im All fangen 13-mal mehr Energie ein
Es wird geschätzt, dass Solarmodule im Weltraum 13-mal mehr Energie einfangen können als auf der Erde, da die Lichtintensität höher ist und es keine Atmosphäre, Wolken oder Nacht gibt.
Obwohl ein Teil der Energie bei der Rücksendung zur Erde und beim Anschluss an das Stromnetz verloren gehen würde, wäre dies immer noch deutlich effizienter als die Solarerzeugung auf der Erde.
Weltraum-Solarenergie könnnte erneuerbare Energien auf der Erde unterstützen
Die Erzeugung von Energie rund um die Uhr ist ein weiterer entscheidender Vorteil der Weltraum-basierten Solarenergie.
Sie könnte somit als „Grundlast“ dienen, um erneuerbare Energien auf der Erde zu unterstützen, die derzeit hauptsächlich durch Atomkraft und Gaskraftwerke bereitgestellt werden.
Sicherheit steht im Fokus
Der Weltraum-Solarpark bleibt jedoch nicht unumstritten. Eine potenzielle Herausforderung wird laut „Sky News“ darin bestehen, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass der Mikrowellenstrahl, der die Energie zur Erde bringt, unschädlich ist.
Soltau erklärte, dass dieser Strahl nur ein Viertel der Energie der Mittagssonne am Äquator hätte und auf eine Empfangsstation „ausgerichtet“ wäre.
„Diese Empfangsantennen würden weit entfernt von jeglichen bewohnten Gebieten aufgestellt werden, höchstwahrscheinlich im Meer. „Sicherheit ist ein zentraler Aspekt dieses Designs“, betonte er.
“Wir müssen die Sicherheit nachweisen und die Öffentlichkeit mit uns nehmen, aber wir haben einen wirklich klaren Weg, um das zu erreichen.“
In einer Auswertung der Deutschen Umwelthilfe wird 46 von 82 deutschen Großstädten ein viel zu geringes Tempo beim Zubau von Photovoltaik-Anlagen attestiert, nur sieben Städte seien „auf einem sehr guten Weg“. Die angewandte Methodik lässt aber keine differenzierte Analyse darüber zu, ob eine Großstadt ihr Photovoltaik-Potenzial hinreichend ambitioniert hebt.
8. April 2024 Jochen Siemer
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In Berlin und den anderen deutschen Großstädten liegt der Photovoltaik-Zubau noch viel weiter hinter den Möglichkeiten zurück als von der DUH vermutet.
Foto: Solarimo
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Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht nur 7 von 82 deutschen Großstädten „auf einem sehr guten Weg“ beim Zubau von Photovoltaik-Anlagen: Oldenburg, Paderborn, Regensburg, Neuss, Oberhausen, Gütersloh und Erlangen. Die anderen „hängen beim Ausbau der Solarenergie massiv hinterher“, heißt es in einer Mitteilung vom Freitag. 29 Städte müssen demnach das Tempo ihres Photovoltaik-Zubaus im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren ab sofort um bis zu 50 Prozent steigern, und bei 46 Städten wären sogar mehr als 50 Prozent an Steigerungsraten erforderlich. In 29 dieser 46 Städte bräuchte es mindestens eine Verdopplung, hierzu gehören zum Beispiel Düsseldorf, Heidelberg und Magdeburg. In 15 Städten, darunter Dresden, Hamburg oder Frankfurt am Main, wäre selbst das noch nicht genug, hier müsste das Tempo um mindestens das Dreifache steigen. Die Schlusslichter des Rankings – Potsdam, Lübeck und Bremerhaven – müssten um mehr als 350 Prozent bei den Installationen von Photovoltaik-Anlagen zulegen.
Dementsprechend vergibt die DUH nur sieben „grüne Karten“ an die ihrer Einschätzung nach auf dem zahlenmäßig richtigen Pfad befindlichen Städte. Daneben stehen 29 gelbe und 46 rote Karten.
Grundlage für diese Einschätzung ist eine im November 2021 vorgelegte Studie der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Diese kommt zu dem Schluss, dass in Deutschland bis 2035 insgesamt 590 Gigawatt Photovoltaik-Leistung installiert sein müssen, damit das Land seinen Beitrag zum Pariser 1,5-Grad-Ziel leisten kann (die in der Studie errechnete Menge variiert in Abhängigkeit verschiedener anderer Faktoren, etwa dem Tempo beim Windkraftausbau). Dieses Ziel ist deutlich höher als die in der „Photovoltaik-Strategie“ der Bundesregierung definierte Marke von 215 Gigawatt bis 2030 und einer „nahezu vollständig durch erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff“ erfolgenden Stromversorgung bis 2035.
Bund, Länder und Kommunen in der Pflicht
Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband nutzt seinen Befund für eine dramatische Analyse. DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz sieht die Zahlen als Beleg dafür, „dass die Jubel-Meldungen der Bundesregierung rund um ihre PV-Strategie kritisch zu hinterfragen sind“. Vor allem auf den Dächern von Gewerbegebäuden, aber auch bei Parkplatz-Überdachungen oder an Balkonen müssten weit mehr Anlagen errichtet werden. Dafür aber seien Bund und Länder in der Pflicht, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.
Rupert Wronski, stellvertretender Leiter Kommunaler Umweltschutz bei der DUH, sieht große Handlungsdefizite auch auf kommunaler Ebene. Die Städte hätten einen Hebel „vor allem bei den Dachflächen ihrer eigenen Liegenschaften“. Viele von ihnen hätten hierzu aber „noch nicht einmal eine fundierte Analyse“ und deshalb „wundert es nicht, dass vielfach auch keine konkreten Ausbauziele für öffentliche Dachflächen formuliert werden“.
Die Kritik würde naturgemäß etwas milder ausfallen, wenn die DUH bei ihrer Analyse das Ausbauziel der Bundesregierung als Richtwert genommen hätte und nicht das viel höhere Ziel aus der HTW-Studie. Der Befund wäre aber andererseits womöglich noch weitaus strenger, wenn die DUH-Auswertung einer anderen Methodik gefolgt wäre. Tatsächlich ist die Situation bei der innerstädtischen Photovoltaik nämlich noch weitaus schlechter, als in der Auswertung dargelegt.
Fläche als alleiniger Maßstab
Die DUH hat ihre Zahlen in dem vom Venture and Nature Fund geförderten Projekt „Solaroffensive Deutschland“ zusammengestellt. Die Auswertung errechnet für jede deutsche Großstadt (dies sind alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern) gemäß ihrem Anteil an der deutschen Landesfläche ein Ziel für die bis 2035 zu installierende Leistung.
Am Beispiel Berlin heißt dies: Die Stadt hat eine Fläche von 891,8 Quadratkilometern, das sind 0,249 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands. Die Auswertung multipliziert nun schlicht den Anteil Berlins an der Landesfläche mit den als Zielmarke definierten 590 Gigawatt und kommt somit für die Hauptstadt auf ein „Soll PV“ von 1470,28 Megawatt. Auf Grundlage des für Dezember 2023 im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur verzeichneten Ist-Standes von 268,08 Megawatt Photovoltaik in Berlin und dem für die Jahre 2022 und 2023 errechneten mittleren Zubauwert von 53,55 Megawatt pro Jahr muss die Stadt demzufolge das Tempo um den Faktor 1,87 auf jährlich 100,18 Megawatt neu installierte Leistung steigern.
Dass diese Betrachtung dem Thema allerdings nicht gerecht wird, zeigt ein Vergleich: Die von der DUH für Berlin errechnete Zielmarke von 1470,28 Megawatt entspricht rund 391 Watt Leistung für jeden der 3,76 Millionen Einwohner. Die gleiche Rechnung, angewandt auf Salzgitter mit 224,5 Quadratkilometern und 104.500 Einwohnern ergibt jedoch 3540 Watt, also fast das Zehnfache. Das DUH-Projekt lässt außer Acht, dass Deutschlands Städte sehr unterschiedlich dicht besiedelt sind.
Noch deutlicher wird der verzerrende Effekt bei einem Vergleich mit den Flächenländern: Die von der DUH angewandte Methode ergäbe für das gesamte Land Bayern (70.542 Quadratkilometer, 13,37 Millionen Einwohner) ein Zubauziel von 8710 Watt je Einwohner, für das noch viel dünner besiedelte Mecklenburg-Vorpommern (23.174 Quadratkilometer, 1,61 Millionen Einwohner) ergäben sich sogar 23.750 Watt.
Potenzial der Städte ist viel größer
Die Betrachtung nach Fläche wird aber nicht allein der unterschiedlichen Besiedlungsdichte nicht gerecht, unberücksichtigt bleibt vielmehr auch ein noch weitaus wichtigerer Umstand: Großstädte haben, gemessen an ihrer Fläche, ein viel dichteres Stromnetz und, vor allem, weitaus mehr Gebäude pro Quadratkilometer. In Bezug auf Photovoltaik gelten hier deshalb vollkommen andere Gegebenheiten, die erstens nicht mit dem Landesdurchschnitt vergleichbar sind und zweitens von Stadt zu Stadt je nach Einwohnerdichte, Bebauungsstruktur, geografischer Lage und anderen Variablen stark differieren. Immer aber ermöglichen Städte eine viel höhere Photovoltaik-Leistung pro Quadratkilometer als ländliche Regionen.
Wie hoch genau dieses Potenzial ist, lässt sich indes nur durch eingehende Betrachtung abschätzen. Auch zu diesem Thema hat die HTW Berlin eine der wenigen umfassenden Untersuchungen erstellt und legte 2019 für das Forschungsprojekt „PV2City“ im Rahmen des Berliner Programms für Nachhaltige Entwicklung die Studie „Das Berliner Solarpotenzial“ vor. Dieses Potenzial liegt demnach weit von den durch die DUH veranschlagten 1,47 Gigawatt, nämlich bei sechs bis zehn Gigawatt. Die Hälfte davon verortet die HTW-Studie auf Wohngebäuden, ein Drittel auf Gewerbegebäuden. Öffentliche Gebäude tragen mit 600 Megawatt höchstens zehn Prozent zum Berliner Solarpotenzial bei.
Weil Großstädte allerdings auch, bezogen auf ihre Fläche, einen ungleich höheren Strombedarf als ländliche Regionen haben, können sie sich im übrigen auch bei voller Ausnutzung ihres Potenzials nicht selbst mit Solarstrom versorgen.
In San Francisco hat ein Experiment begonnen, das nicht weniger retten soll als unser Klima: Kleine Salzkristalle sollen dafür sorgen, dass Sonnenlicht von der Erde reflektiert wird und diese sich nicht weiter aufheizt. Doch die Technologie birgt auch Gefahren.
In der Bucht von San Francisco schwimmt ein Stahlkoloss, der der Menschheit mehr Zeit verschaffen soll. Auf einem außer Dienst gestellten Flugzeugträger hat in der vergangenen Woche nahe der Stadt Alameda ein Experiment begonnen, mit dem Forscher herausfinden wollen, ob wir die Erde selbst abkühlen können.
Solar Radiation Management (SRM), zu deutsch etwa „Sonnenstrahlenmanagement“, ist eine Form des Geoengineerings. Mithilfe kleiner Salzkristalle soll Sonnenlicht reflektiert werden, damit sich die Erde nicht weiter aufheizt – und uns damit Zeit verschafft, weiterhin das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Doch die Technologie birgt Risiken, vor denen andere Forschende schon seit Jahren warnen.
Das SRM-Experiment in San Francisco: So soll es uns retten
Das Projekt trägt den Namen „Coastal Atmospheric Aerosol Research and Engagement“, kurz: CAARE. Zu dem Versuch selbst war kaum Presse eingeladen, neben der „New York Times“ durfte nur eine Lokalzeitung zusehen. An Bord der USS Hornet Sea, einem ehemaligen Flugzeugträger, werden Abertausende mikroskopisch kleine Meersalzpartikel in die Luft geschossen. Diese sollen die Wolken verdichten, wodurch wiederum mehr Sonnenlicht von der Erde reflektiert wird. Ziel: Weniger Sonnenstrahlen und damit weniger Erwärmung.
Das Experiment läuft voraussichtlich bis Ende Mai, Ziel ist auch herauszufinden, ob die Technologie in großem Stil angewandt werden kann. Denn bislang fehlen entsprechende Feldversuche, da diese immer wieder aus Bedenken von Anwohnern oder Umweltgruppen verhindert werden. In Schweden etwa hatte zuletzt die indigene Bevölkerung ein Experiment der US-Eliteuniversität Harvard stoppte.
Geheimwaffe Geoengineering?
Die Möglichkeiten, mittels SRM die globale Erwärmung zu begrenzen, werden schon länger diskutiert. Der Ursprung liegt nicht in den von Verschwörungstheoretikern häufig diskutierten Chemtrails. Die Idee tauchte erstmals 1991 auf , nachdem der philippinische Vulkan Pintubo ausbrach. Die Staubpartikel, die dabei in die Atmosphäre geschleudert wurden, sorgten dafür, dass die globale Durchschnittstemperatur in den folgenden zwei Jahren um 0,5 Grad sank. Mittlerweile ist die Forschung soweit, dass sich aus dem Ereignis fünf verschiedene Methoden zum Reflektieren von Sonnenstrahlen ableiten lassen:
Stratosphärische Aerosol Injektion (SAI) : Aersole, in der Regel Schwefelpartikel, werden in die Atmosphäre gesprüht, um das Sonnenlicht zu reflektieren. Das Verfahren gilt als sehr aufwändig und langwierig, wird aber derzeit überprüft – auch auf mögliche Risiken.
Verdünnen von Zirruswolken: Dabei handelt es sich um die Verdünnung großer Eiswolken, die dann wiederum mehr Strahlung ins All zurückwerfen können. Die Methode ist laut Umweltbundesamt (UBA) allerdings noch nicht ausreichend erforscht und mit großen Risiken verbunden – wie zum Beispiel, dass die Wolken zu stark verdünnt werden können und damit noch mehr Strahlung durchlassen.
Marine Cloud Brightening (MCB) : Hier sollen Schiffe kleine Meerwasser-Tröpfchen in Wolken über dem Ozean sprühen, um diese damit aufzuhellen. Auch das soll zu mehr Reflektion der Strahlung ins All führen. Das Verfahren könnte allerdings ungeahnte Konsequenzen auf unsere Wassersysteme und den Niederschlag haben.
Albedo-Effekt: Die Aufhellung der Erdoberfläche, zum Beispiel von Dächern, Straßen oder ganzen Bergen, könnte ebenfalls Sonnenstrahlen reflektieren und für Abkühlung sorgen. Das Verfahren findet in manchen Teilen der Welt schon Anwendung. Zum Beispiel werden in Los Angeles besonders hitzeempfindliche Straßen mit weißer Farbe bemalt, um die Wärme zu reflektieren und für Abkühlung zu sorgen. Das Ganze auf einer globalen Ebene durchzuführen, wird vermutlich zu teuer und zu aufwändig.
Sonnensegel : Ein unter Start-Ups beliebtes Verfahren sind die sogenannten Sonnensegel, die im All aufgespannt bereits Sonnenlicht reflektieren oder gar Energie erzeugen sollen. Bislang gelten Sonnensegel allerdings als Science Fiction und sind von einer Umsetzung noch Lichtjahre entfernt.
Lieber geheim halten
Nun sollen uns also die Salzkristalle retten. In der Wissenschaft herrscht allerdings zum einen große Skepsis hinsichtlich des Effekts, den Rekord-Temperaturen der letzten Monate zum Trotz. Kritiker befürchten ungeahnte Konsequenzen: Die Verdünnung von Wolken beispielsweise könnte bislang unbekannte Wettermuster nach sich ziehen, die wiederum unser gesamtes Ökosystem beeinflussen könnte. Besonders betroffen: Landwirtschaft und Fischereien, die dank Klimawandel ohnehin unter Druck durch Hitze, Dürre, Starkregen und anderen Wetterextremen stehen.
Das sieht auch Frank Biermann, Professor für Globale Nachhaltigkeitspolitik an der Universität Utrecht so. Biermann ist Begründer einer Initiative, die sich gegen das „Geoengineering“ ausspricht. „Mit Blick auf Solar Geoengineering nimmt der weltweite Widerstand zu“, sagt der deutsche Professor, „mehr als 500 Wissenschaftler aus 67 Ländern und 2000 zivilgesellschaftliche Organisationen haben sich inzwischen für ein internationales Verbotsregime ausgesprochen.“
Die für das Projekt verantwortliche University of Washington hat bei dem Projekt ziemlich dichtgehalten – vermutlich, so schreibt jedenfalls die „New York Times“ , um zu verhindern, dass es von Gegnern vorzeitig gestoppt wird. Umweltaktivisten sagen: Zu Recht, schließlich könnten solche Experimente komplett neue klimatische Bedingungen schaffen. Selbst Aktivisten, die sich für solche Tests einsetzen, wurden von dem Beginn des Experiments überrascht.
Befürworter fordern daher, dass ein rechtlicher Rahmen für SRM geschaffen wird, um auch die Bevölkerung miteinzubeziehen. In dem Prozess fehlen allerdings bislang Vertreterinnen und Vertreter von Entwicklungsländern , die ja immens von Wetterveränderungen betroffen wären und gleichzeitig am meisten unter dem Klimawandel leiden. „Auf der UN-Umweltversammlung im Februar, auf der ich selbst als Beobachter anwesend war, hat nun erstmals auch die afrikanische Staatengruppe offiziell für ein Verbot von Solar Geoengineering plädiert“, sagt Biermann und spricht von einer sehr wichtigen Entwicklung, denn: „Nun beziehen auch ganze Staatengruppen eine kritische Position.“ Der Experte fordert, dass auch Deutschland sich mit den afrikanischen Staaten für ein Verbot engagiere.
Nebelkerze für die fossile Industrie?
Laut dem Wissenschaftsmagazin „Scientifc American“ ist ein weiterer Aspekt, der gegen SRM spricht, der Aufschub für die fossile Industrie: Wenn es uns tatsächlich gelänge, durch Geoengineering die Erde abzukühlen, hätten Konzerne wie ExxonMobil oder Länder wie Japan und Saudi-Arabien, die auf fossile Energien angewiesen sind, eine Ausrede, den fossilen Ausstieg aufzuschieben.
Dabei ist in der Wissenschaft unumstritten, dass nur ein Weg dabei hilft, die Konsequenzen des menschengemachten Klimawandels einzudämmen: Die Abkehr von fossilen Brennstoffen.
Atommüll mit deutscher Technologie
Der Rohstoffkonzern AMG treibt das Recycling von Atommüll zur Energiegewinnung voran. Die Technologie könnte Kleinkraftwerken zum Durchbruch verhelfen.Jakob Blume 05.04.2024 – 16:21 Uhr
Wiederaufbereitungsanlage Sellafield in Großbritannien: Hier lagern mehr als 100 Tonnen Plutonium aus alten Atomwaffen. Foto: REUTERS
Zürich. Der Rohstoffkonzern Advanced Metallurgical Group
(AMG) des deutschen Managers Heinz Schimmelbusch steigt in das Recycling von Atommüll zur Energiegewinnung ein. Dafür hat AMG das Tochterunternehmen NewMOX im französischen Grenoble gegründet, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Von dort aus will der Rohstoff- und Recyclingkonzern künftig die Atomindustrie mit Mischoxid-Brennelementen, sogenanntem MOX, beliefern.
MOX wird aus schwach radioaktivem Uranoxid von alten Brennstäben und aus Plutoniumoxid aus der Abrüstung von Atomwaffen hergestellt. Die beiden radioaktiven Stoffe werden zunächst pulverisiert, anschließend gemischt, zusammengepresst und schließlich in einem Ofen erhitzt.
Das Verfahren bezeichnet die Fachwelt als Sintern. Bei dem Prozess entstehen sogenannte MOX-Pellets, die wiederum zu Brennstäben für neue Kraftwerke weiterverarbeitet werden können.
Die Aufbereitung von Atommüll zu MOX-Pellets basiert auf einer seit Jahrzehnten bekannten Technologie. In Deutschland wurde diese nach dem Ausstieg aus der Atomkraft jedoch kaum weiterentwickelt.
AMG hat das technologische Know-how vom ehemaligen Chemiekonzern Degussa übernommen, der inzwischen in Evonik
aufgegangen ist. AMG betreibt in Hanau eine Tochterfirma, die auf die Konstruktion von Vakuumöfen spezialisiert ist.
AMG peilt 20 bis 40 Tonnen MOX-Kernbrennstoffe im Jahr an
Der Konzern hat in der Vergangenheit bereits Dutzende Sinteröfen an die Nuklearindustrie in den USA, Frankreich, Großbritannien und zuletzt auch nach China geliefert. Nun plant AMG, auch in Frankreich die konzerneignen Öfen aufzustellen und in die Produktion von MOX-Brennelementen einzusteigen.
Das Projekt ist noch in einer frühen Phase. In diesem Jahr soll in einer Machbarkeitsstudie geprüft werden, ob sich das Konzept lohnen kann. Falls ja, könnte die Gruppe in Grenoble künftig 20 bis 40 Tonnen MOX-Kernbrennstoffe pro Jahr produzieren.
Verwandte Themen Frankreich Großbritannien Evonik Rohstoff-Manager Schimmelbusch, der mit der von ihm aufgebauten AMG auch Lithium fördert und Vanadium-Batteriespeicher konstruiert, sieht großes Potenzial. Er sagt: „Es gibt eine Menge gelagertes Plutonium, und die Betreiber dieser Lager suchen nach Möglichkeiten, die Lagerkosten zu senken.“
Allein im britischen Sellafield lagern 115 Tonnen Plutonium aus abgerüsteten Atomwaffen. Die britische Regierung schätzt die Kosten der Lagerung in den kommenden 100 Jahren auf mehr als sieben Milliarden Pfund. Dutzende Tonnen lagern auch in Frankreich, den USA und Japan.
Atomenergie: Kleinkraftwerke erleben einen Boom
Der Boom bei Kleinkraftwerken, sogenannten Small Modular Reactors (SMR), macht diese Lagerbestände wieder kommerziell interessant, ist sich Schimmelbusch sicher. Er sagt: „Es gibt einen großen MOX-Markt, der mit der Entwicklung der aufkommenden SMR-Welle wachsen wird.“
Auch Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur, sagte kürzlich auf einer Branchenkonferenz: „Die Kernenergie erlebt ein sehr starkes Comeback.“ Das liege nicht zuletzt an den neuartigen Minireaktoren.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zählt derzeit mehr als 80 SMR-Projekte in 18 Ländern. Dazu gehört beispielsweise das Start-up Newcleo, das kürzlich eine Milliarde Euro eingesammelt hat. Es hat spezielle, mit Blei gekühlte Atomreaktoren entwickelt, bei denen die Gefahr einer Kernschmelze im Vergleich zu herkömmlichen Reaktoren deutlich niedriger sein soll. Newcleo hat seine Technologie ebenfalls auf Mischoxid-Brennelemente (MOX) ausgerichtet.
» Lesen Sie auch: Milliarden für Abfall-Reaktoren: Dieses Start-up will Energie aus Atommüll gewinnen
Das Start-up will bis zum Ende des Jahrzehnts selbst in die MOX-Aufbereitung einsteigen. „Dieses Modell ist für uns am kosteneffizientesten und wesentlich für unsere Skalierbarkeit“, sagte CEO Stefano Buono kürzlich dem Handelsblatt. Dafür dürfte es zumindest auf Sinteröfen wie jene, die AMG Engineering herstellt, angewiesen sein.
Ganz ähnliche Pläne verfolgt der französische Unternehmer Jean-Luc Alexandre. Sein Start-up Naarea entwickelt ebenfalls einen Reaktor, der radioaktiven Abfall aus konventionellen Atommeilern verbrennt.
Der Prototyp soll 2028 fertig sein, die Serienproduktion um 2030 beginnen. Alexandre plant Atomkraftwerke, die „so groß wie ein Bus“ sein und in der Nachbarschaft energieintensiver Industriewerke aufgestellt werden sollen. Das erläuterte er kürzlich dem Handelsblatt.
Kernenergie: Gesellschaftliche Akzeptanz durch Nutzung von Atommüll
Naarea und Newcleo kooperieren ebenfalls. Sie eint das Ziel, Atommüll zur Energiegewinnung zu nutzen, statt neuen Müll zu produzieren. „Das ist der entscheidende Punkt für die gesellschaftliche Akzeptanz von Atomkraft“, sagt Naarea-Chef Alexandre.
Ausgerechnet eine Ingenieurslösung aus dem vermeintlich atomfeindlichen Deutschland könnte entscheidend zu dieser Akzeptanz beitragen – jene von AMG.
Dieses Start-up will Atommüll weniger radioaktiv machen
Kernkraftwerke werden vielfach wieder als saubere Energiequelle gehandelt. Das Start-up Newcleo will nun das Endlagerproblem lösen – mit Mini-Reaktoren und Milliardenkapital.Nell Rubröder 05.04.2024 – 10:48 Uhr
Nach Angaben der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) wird die Suche nach einem Endlager für radioaktive Abfälle in Deutschland voraussichtlich bis 2042 dauern. Foto: Imago/illupics
Düsseldorf. Kleine Kernkraftwerke, sogenannte SMR, sind derzeit die Hoffnungsträger der Atomindustrie. Sie gelten als sicher, flexibel und kostengünstig, lösen allerdings nicht das zentrale Problem der Kernenergie: radioaktiven Abfall.
Weltweit beteiligen sich Energiekonzerne und Start-ups am Wettlauf um diese potenzielle Zukunft der Kernenergie. Eins davon ist das multinationale Start-up Newcleo
.
Das Unternehmen arbeitet an einem SMR-Reaktor, der radioaktive Abfälle aus konventionellen Atommeilern verwerten kann – und so die Menge des Mülls sowie dessen Strahlung deutlich reduziert. Das wiederum macht ihn einfacher zu lagern.
Eine solche Lösung ist dringend: So weist die EU den „Kraftwerkzwergen“ eine Schlüsselrolle bei der Erreichung der Klimaziele bis 2050 zu. Erst Anfang Februar rief die EU-Kommission zu einer europäischen Industrieallianz für Small Modular Reactors (SMR)
auf. 14 europäische Staaten haben auf der UN-Klimakonferenz im vergangenen Jahr eine Erklärung unterzeichnet, ihre Kernenergieproduktion bis 2050 zu verdreifachen.
Doch bisher weiß noch niemand, wohin mit den hochradioaktiven Abfällen. Endlager dafür müssen Sicherheit für eine Million Jahre garantieren, die Suche läuft.
Große Versprechen an die Geldgeber
Hier setzt das 2021 gegründete Newcleo an. Das Unternehmen mit Sitz in London, Lyon und Turin hat seit der Gründung rund 400 Millionen Euro eingesammelt und wächst kräftig. Allein in den vergangenen sechs Monaten hat es drei andere Unternehmen übernommen und rund 200 neue Mitarbeitende eingestellt. Vor fast genau einem Jahr kündigte Newcleo zudem eine Kapitalerhöhung um eine Milliarde Euro an. Damit ist es das bestfinanzierte Nuklear-Start-up Europas.
Aber: Newcleo selbst macht noch keine Gewinne und will frühestens in acht Jahren den ersten kommerziellen Reaktor bauen. Was also fasziniert die mehr als 20 Investoren, darunter Exor, die größte private Holding Italiens? Laut Gründer und Physiker Stefano Buono ist es: die Renaissance der Kernenergie.
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Flüssiges Blei kühlt die Brennstoffelemente des 30-Megawatt-Reaktors ab. Foto: Newcleo
Newcleo entwickelt mit Blei gekühlte Atomreaktoren und behauptet, die seien sicherer als andere Kraftwerke. Normalerweise wird in einem AKW Wasser zur Kühlung verwendet. Der Siedepunkt von Wasser liegt jedoch bei 100 Grad Celsius – es verdampft in dem Prozess also schnell und muss selbst aktiv runtergekühlt werden. Der Ausfall der Kühlung hat zu großen Katastrophen wie in Tschernobyl und Fukushima geführt. Bei Blei liegt der Siedepunkt viel höher, er beträgt 1737 Grad Celsius. Damit, sagt Newcleo, sei die Gefahr einer Kernschmelze geringer.
Die Grundtechnologie ist nicht neu: Ende der 90er-Jahre gab es in Frankreich ein ähnliches Projekt namens „Superphénix“
. Das wurde aber wegen zahlloser technischer Probleme, hoher Kosten und heftigen Widerstands von Umweltschützern vom Netz genommen. Newcleo will die Idee mit den wesentlich kleineren, billigeren und weniger komplexen SMRs wiederbeleben.
Und das Mini-Kraftwerk soll mit Atommüll aus konventionellen Meilern betrieben werden, sodass kein neuer strahlender Abfall entsteht. Etwa 900 Kilogramm Atommüll soll der erste geplante Reaktor pro Gigawatt und Jahr verbrauchen können.
Das Unternehmen beschreibt das Grundprinzip des SMR im Detail so: Der Reaktor selbst hat die Form eines Beckens, mit dem Reaktorkern am Boden des Behälters. Dieser wiederum ist mit dem Kühlmittel, in diesem Fall geschmolzenem Blei, gefüllt. Die schnellen Neutronen, die für die Kernspaltung des Atommülls notwendig sind, verlieren durch das „Abprallen“ am Blei nur wenig kinetische Energie. So kann der Brennstoff immer wieder beschossen und in Isotope mit deutlich kürzerer Lebensdauer umgewandelt werden.
Der erste Prototyp des Reaktors mit einer Leistung von 30 Megawatt (MW) ist in Frankreich für 2030 geplant, nur zwei Jahre später soll eine kommerzielle 200-Megawatt-Anlage in Großbritannien folgen, die laut dem Unternehmen etwa 400.000 Haushalte mit Strom versorgen kann.
Gibt es einen Haken?
Auch mit der Newcleo-Idee sei das Abfallproblem nicht vollständig gelöst – und ein Endlager weiterhin notwendig, so der Physiker Christian Reiter, Leiter der Reaktorphysik an der Technischen Universität München. Denn selbst wenn die Brennelemente alle möglichen Wiederaufbereitungsschritte durchlaufen haben, bleiben am Ende teils langlebige Spaltprodukte übrig, die entsorgt werden müssen.
Die Technologie sei jedoch trotzdem vielsprechend. „Sollten sich schnelle Reaktoren dieser Art etablieren, könnte das Volumen des bereits vorhandenen Atommülls durchaus deutlich reduziert werden“, so der Wissenschaftler. Bei der Suche nach einem Endlager müsse man sich dann nicht mehr fragen, ob es in einer Million Jahren noch steht, sondern ob es in 200 Jahren noch stabil sei, denn der Müll strahlt weniger lange. Das vereinfache die Handhabung und die Lagerung erheblich.
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Jochen Ahlswede vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) sieht derartige Projekte dagegen skeptisch. „Viele SMR-Konzepte existieren bisher nur auf dem Papier“, sagt der Experte. Technologien dieser Art hätten ihre Machbarkeit noch nicht bewiesen und es sei ungewiss, wann sie tatsächlich großtechnisch einsetzbar sein werden. Zusätzlich seien sie sehr teuer. So rechnet Newcleo allein für den Bau der MOX-Fabrik und des 30-MW-Prototyps in Frankreich bis 2030 mit einem Investitionsbedarf von drei Milliarden Euro.
Um weltweit die gleiche elektrische Leistung zu erzeugen wie mit den heutigen neuen Kernkraftwerken, müssten laut BASE-Gutachten
statt der heute rund 400 Großreaktoren mehrere Tausend bis Zehntausend SMR-Anlagen gebaut werden. Auch wenn die kleinen Reaktoren weithin als sicherer gelten als konventionelle Kernkraftwerke, vervielfacht sich damit das Sicherheitsrisiko, das die Kernenergie naturgemäß birgt.
Die Pläne hinter den Plänen
Die Mini-Kraftwerke sind jedoch nur ein Teil des Geschäftsmodells von Newcleo: „Unsere mittelfristige Strategie ist es, auch den Brennstoff für unsere Reaktoren herzustellen“, sagt CEO Buono. Denn: Atommüll ist nicht gleich Atommüll.
Das Start-up hat seine Technologie auf Mischoxid-Brennelemente (MOX) ausgerichtet, die hauptsächlich aus abgereichertem Uran sowie Plutonium bestehen und aus vorhandenen radioaktiven Abfällen der Nuklearindustrie hergestellt werden können.
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In einer eigenen Wiederaufbereitungsanlage in Frankreich will das Unternehmen die Herstellung ab 2029 selbst übernehmen und hat dafür bereits vor etwa zwei Jahren eine französische Tochtergesellschaft gegründet.
„Dieses Modell ist für uns am kosteneffizientesten und wesentlich für unsere Skalierbarkeit“, begründet Buono die Pläne. MOX wurde bereits vor mehr als 30 Jahren in herkömmlichen Atomkraftwerken genutzt. Die langjährige Erfahrung der Industrie mit dem Brennstoff, so der CEO, würde die ambitionierten Zeitpläne des Unternehmens erst möglich machen.
Und auch in anderen Bereichen setzt das Start-up auf das geballte Wissen aus der Nuklearbranche. Ende Januar schloss Newcleo eine Allianz mit Nuclear Transport Solutions (NTS), einem Unternehmen, das auf den Transport von Atommüll spezialisiert ist. Wenige Monate zuvor hatte die Tosto Group, ein Hersteller von Großkomponenten und Druckgeräten, eine Kooperation mit dem Start-up unterzeichnet.
Atomenergie: Vereinigte Arabische Emirate wollen in europäische Kraftwerke investieren
03. April 2024 Bernd Müller
Symbolbild: Die Kühltürme des Kernkraftwerks Mochovce in der Slowakei.
(Bild: Stefan_Sutka / Shutterstock.com)
Der Bau neuer Atommeiler ist teuer. Die VAE werden deshalb als mögliche Investoren umgarnt, wie Großbritannien vormacht. Das Beispiel des AKW Sizewell C.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) beabsichtigen, in den europäischen Energiesektor einzusteigen. Einem Bericht von Reuters zufolge interessieren sie sich insbesondere für Kernkraftwerke in Großbritannien, an denen sie sich beteiligen wollen.
Die Emirates Nuclear Energy Company (ENEC) verfolgt demnach das Ziel, ein internationaler Akteur im Bereich der Kernenergie zu werden. Über Minderheitsbeteiligungen will sich das Unternehmen an Anlagen und Infrastruktur in verschiedenen Ländern beteiligen, ohne diese zu verwalten oder zu betreiben.
VAE streben Investitionen im Vereinigten Königreich an
ENEC gehört zum Staatsfonds ADQ von Abu Dhabi, mit dem sich das Land unabhängiger von den Einnahmen aus dem Gas- und Ölgeschäft machen will. Dies trifft sich mit den Bemühungen Großbritanniens, zusätzliche private Investitionen für das Kernkraftprojekt Sizewell C zu gewinnen, das vom französischen Energieriesen EDF im Südosten Englands gebaut wird.
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Die VAE und Großbritannien haben bereits im Dezember eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Bereich der zivilen Kernenergie unterzeichnet. Darin verpflichten sich mehr als 20 Länder, ihre Kernkraftkapazitäten bis 2050 zu verdreifachen.
Blick auf das AKW Sizewell C
„Sizewell C ist ein wichtiger Teil des britischen Programms für neue Kernenergie, das für unsere Pläne für ein kostengünstiges, sauberes und sicheres Stromsystem von zentraler Bedeutung ist“, sagte ein Sprecher des britischen Ministeriums für Energiesicherheit und Net Zero gegenüber Reuters.
Die kommerzielle Struktur des Projekts sei Gegenstand laufender Entwicklung und kommerziell sensibler Diskussionen, fügte der Sprecher hinzu.
ENEC arbeitet nach eigenen Angaben mit verschiedenen Partnern zusammen, um Kooperationen bei neuen zivilen Nuklearprojekten und zivilen Nukleartechnologien auszuloten. Dazu gehören auch saubere Energietechnologien wie sauberer Wasserstoff.
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Finanzierung von Sizewell C
Die Regierung in London und EDF müssen rund 25,2 Milliarden US-Dollar für das Kernkraftwerk Sizewell C aufbringen. Nachdem chinesische Investoren aus Projekten gedrängt wurden, ist man auf der Suche nach neuen. Im Januar erklärte der britische Minister für Energiesicherheit gegenüber der Financial Times, dass man „auf dem besten Weg“ sei, dieses Ziel bis Ende des Jahres zu erreichen.
Obwohl der Minister keine Namen von Investoren nannte, berichteten britische Medien, dass Investoren aus Abu Dhabi für Sizewell C in Betracht gezogen würden.
Dies wurde nun auch von mehreren Quellen gegenüber Reuters bestätigt. ENEC sei ein Kandidat, obwohl das Unternehmen erst in jüngster Zeit Erfahrungen mit der Entwicklung von Kernkraftwerksprojekten gesammelt habe.
So beaufsichtigte es den Bau des einzigen Atomkraftwerks der VAE, das von der Korea Electric Power Corp in Abu Dhabi gebaut wird und 2021 in Betrieb gehen soll.
Europäische Länder setzen auf Kernenergie
Mehrere europäische Länder forcieren den Ausbau der Kernenergie, um ehrgeizige Klimaziele zu erreichen und Alternativen zur russischen Energieversorgung zu entwickeln. Allerdings ist die Nutzung der Kernenergie in der Europäischen Union umstritten und hat nach dem Reaktorunfall in Fukushima 2011 an Popularität verloren.
Hinzu kommen mangelnde Investitionen, explodierende Kosten und Verzögerungen bei den jüngsten Projekten. Die Hoffnungen ruhen daher auf kapitalkräftigen Investoren aus den Golfstaaten.
Doch noch ist das Geschäft nicht in trockenen Tüchern. Es könnte auch auf politischen Widerstand stoßen, da es sich um eine Investition in einen so sensiblen Bereich wie die Energieinfrastruktur handelt.
Politische Bedenken in Großbritannien
Staatliche Investitionen aus den Emiraten haben in Großbritannien in jüngster Zeit für Unruhe gesorgt. Eine staatliche Übernahme der renommierten konservativen Zeitung The Telegraph wurde blockiert. Die britische Regierung stellte auch fest, dass eine kürzlich getätigte Investition des staatlichen Telekom-Unternehmens E& Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit aufwarf, genehmigte die Transaktion jedoch.
Trotz des Streits um The Telegraph erwägen die VAE weitere Großinvestitionen in Großbritannien, darunter in den Flughafen Heathrow und das Kernkraftwerk Sizewell C. Großbritannien hofft auch auf den Abschluss eines Freihandelsabkommens mit den sechs Golfstaaten, die den Golfkooperationsrat bilden.
Der Anteil der VAE an den gesamten ausländischen Direktinvestitionen in Großbritannien lag 2021 bei 0,4 Prozent. Nach Angaben der Regierung in London sind die VAE nach wie vor ein relativ kleiner Investor im Land.
Die Region wird jedoch zunehmend als wichtiger Partner für Großbritannien und andere westliche Regierungen bei großen Infrastruktur- und Energieprojekten gesehen. Hintergrund sind die zunehmenden geopolitischen Spannungen mit China und der Krieg in der Ukraine, der Investitionen aus Russland einschränkt.
Südkoreas Fusionsreaktor stellt neuen Rekord auf
Die koreanische „künstliche Sonne“, der Fusionsreaktor KSTAR, hat erneut einen Weltrekord aufgestellt. Dank umfangreicher Modernisierungsmaßnahmen konnte ein 100 Millionen Grad Celsius heißes Plasma fast 50 Sekunden lang stabil gehalten werden. Dies ist eine deutliche Verbesserung gegenüber früheren Leistungen.
Blick in den Vakuumbehälter des Fusionsreaktors.
Foto: Korea Institute of Fusion Energy (KFE)
Die Kernfusion wird oft als der heilige Gral der Energieerzeugung bezeichnet. Sie verspricht eine nahezu unerschöpfliche Quelle sauberer Energie. Die größte Herausforderung besteht darin, das extrem heiße Plasma mit Hilfe von Magnetfelder zu stabilisieren. Der Schlüssel zum jüngsten Erfolg von KSTAR liegt in der Einführung von Divertoren aus Wolfram. Wolfram ist bekannt für seinen hohen Schmelzpunkt. Die neuen Bauteile können daher mit den extremen Temperaturen besser umgehen als ihre Vorgänger aus Kohlenstoff, was eine längere Stabilisierung des Plasmas ermöglicht.
Plasma 48 Sekunden stabil
Der Korea Superconducting Tokamak Advanced Research Reactor (KSTAR) hat gezeigt, dass er ein Plasma, eine extrem heiße Gaswolke, länger als je zuvor einschließen kann. Damit wurde der bisherige Rekord um fast 20 Sekunden übertroffen. Insgesamt konnte das 100 Millionen Grad heiße Plasma für 48 Sekunden stabil gehalten. KSTAR erreichte 2018 erstmals den Meilenstein eines 100-Millionen-Grad-Plasmas. Im Jahr 2021 konnte der Fusionsreaktor die Temperatur für 30 Sekunden aufrechterhalten.
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Ziel der Fusionsforschung ist die Gewinnung von Energie durch die Verschmelzung von Atomkernen in Kraftwerken. Die einfachste Fusion unter irdischen Bedingungen findet zwischen den Wasserstoffisotopen Deuterium und Tritium statt. Dabei entsteht ein Heliumkern, ein Neutron wird freigesetzt und große Mengen Energie werden freigesetzt. Zum Vergleich: Ein Gramm dieser Brennstoffe kann so viel Energie erzeugen wie die Verbrennung von 11 Tonnen Kohle, was etwa 90.000 Kilowattstunden entspricht.
Die Brennstoffe für die Fusion, Deuterium und Tritium, sind billig und weit verbreitet. Deuterium kommt in nahezu unbegrenzten Mengen im Meerwasser vor. Tritium, ein radioaktives Gas mit einer Halbwertszeit von 12,3 Jahren, kommt in der Natur nur selten vor, kann aber im Kraftwerk aus dem ebenfalls reichlich vorhandenen Element Lithium gewonnen werden. Angesichts der vorteilhaften Umwelt- und Sicherheitseigenschaften, die ein Fusionskraftwerk verspricht, könnte die Fusionsenergie einen nachhaltigen Beitrag zur zukünftigen Energieversorgung leisten.
Wegbereiter für die Zukunft
Die jüngsten Erfolge von KSTAR sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Nutzung der Fusionsenergie. Sie ebnen zum Beispiel auch den Weg für den Internationalen Thermonuklearen Versuchsreaktor (ITER), der der größte Fusionsreaktor der Welt werden könnte. Wie bereits eingangs geschrieben, sind die Leistungssprünge auf Verbesserungen am Reaktor, insbesondere am Divertor, zurückzuführen. Dieses Bauteil, das nun aus Wolfram besteht, kann den extremen Temperaturen im Reaktor nun besser standhalten.
Der Divertor hat die Aufgabe, die Helium-„Asche“ kontinuierlich aus dem Plasma zu entfernen. Dadurch wird das Erlöschen des Fusionsfeuers verhindert. Die elektrisch neutralen Neutronen hingegen können den durch Magnetfelder erzeugten „Käfig“ um das Plasma problemlos passieren. Sie treffen auf das so genannte „Blanket“, eine Schicht, die das Plasmagefäß umgibt. Dort erzeugen sie aus Lithium Tritium. Das Tritium wird aufgefangen und zusammen mit Deuterium über Zwischenspeicher in das Plasma zurückgeführt.
So kam es zu dem Rekord
Die Installation der neuen Divertoren wurde im vergangenen Jahr abgeschlossen. Zwischen Dezember 2023 bis Februar 2024 erzielte der Fusionsreaktor bei der letzten KSTAR-Plasmakampagne schließlich den neuen Rekord. „Obwohl es sich um das erste Experiment in der Umgebung der neuen Wolfram-Divertoren handelt, konnten wir dank gründlicher Hardware-Tests und Kampagnenvorbereitung in kurzer Zeit Ergebnisse erzielen, die die bisherigen KSTAR-Rekorde übertreffen“, erklärte Si-Woo Yoon, Direktor des KSTAR-Forschungszentrums in einer Pressemitteilung.
Die Leistungsfähigkeit des Divertors bei Temperaturen, die siebenmal so hoch sind wie in der Sonne, musste jedoch noch bewiesen werden. Das Forschungsteam erwartete, dass der Divertor ähnlich funktionieren würde wie ein Divertor auf Kohlenstoffbasis. Es bestand allerdings das Risiko, dass das Wolfram brechen könnte oder dass die neue Struktur kein Plasma erzeugen würde. Nicht nur das Material des Divertors hatte sich geändert, sondern auch seine Form.
„Zu Beginn der Kampagne stieg die Temperatur der Innenwand des Tokamaks nicht gut an“, sagt der KFE-Physiker Hyunseok Kim. Das Forschungsteam konnte sich jedoch schnell an die neuen Betriebsbedingungen anpassen, um das Plasma mit Magnetfeldern zu umspielen.
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Schwächen am Rande des Plasmas wurden stabilisiert
Der Wolfram-Divertor war nicht das einzige Upgrade, das zur Leistungssteigerung von KSTAR beitrug. KFE-Forscher, die mit dem Princeton Plasma Physics Laboratory des US-Energieministeriums zusammenarbeiten, beschrieben im Februar in Nature Communications, wie sie einen Weg gefunden haben, Schwächen am Rand des Plasmas zu stabilisieren, die durch winzige Defekte in den Magnetspulen verursacht werden, die das Plasma an Ort und Stelle halten.
Diese Verbesserung führte zu einem zweiten Meilenstein: Das Plasma konnte 102 Sekunden lang in einem hocheffizienten Zustand gehalten werden, dem so genannten Hocheinschluss oder „H-Modus“. Frühere Versuche waren auf wenige Sekunden beschränkt, bevor die Leistung drastisch abnahm.
Im Idealfall würde ein voll funktionsfähiges Fusionskraftwerk bei kritischen Temperaturen im H-Zustand lange genug arbeiten, um eine nachhaltige Energiequelle zu erzeugen. Die nun erzielten Ergebnisse bedeutete einen wichtigen Schritt in diese Richtung.
Bald 300 Sekunden möglich?
Hyeon-seon Han, Plasmaphysiker im KFE-Forschungsteam für Hochleistungsszenarien, erklärt, dass das Team derzeit die neuesten experimentellen Daten prüft, die in die Vorbereitungen für ITER einfließen werden. Außerdem stellt das Team die Ergebnisse für die Veröffentlichung zusammen und plant die nächste Kampagne.
Han hofft, bald die 50-Sekunden-Marke auf dem Weg zum Endziel des Projekts zu durchbrechen: 300 Sekunden Plasmabetrieb bei Temperaturen über 100 Millionen Grad bis Ende 2026. Das ist sechsmal länger als der derzeitige Rekord von KSTAR und immer noch einige Minuten kürzer als der chinesische Experimental Advanced Superconducting Tokamak (EAST), der im April letzten Jahres fast sieben Minuten lang ein Plasma erzeugen und aufrechterhalten konnte.