Leopoldina: Es geht auch ohne russisches Erdgas

vom 11.03.2022

Kommt Deutschland auch kurzfristig ohne den Import von Erdgas aus Russland aus? Die Frage ist angesichts der weiterhin geführten Diskussion über weitere Wirtschaftssanktionen nicht ohne Belang. Immerhin stammt nach wie vor mehr als die Hälfte des deutschen Erdgasimports aus Russland. Ersetzen könnten diesen Anteil nachhaltig nur erneuerbare Energien. Doch ist das überhaupt und wenn ja wie schnell in Deutschland und der EU möglich? Dieser Frage geht die Ad-hoc-Stellungnahme „Wie sich russisches Erdgas in der deutschen und europäischen Energieversorgung ersetzen lässt“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina nach.

Als mögliche Ausgleichsmaßnahmen im Falle eines Wegfalls des russischen Importanteils listet die Leopoldina die Beschaffung von Flüssiggas, das Anlegen einer robusten Reserve (die deutschen Erdgasspeicher sind aktuell zu 27 Prozent gefüllt) sowie den Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur auf. Die Leopoldina gibt auch eine klare Antwort auf die Leitfrage: Auch ein kurzfristiger Lieferstopp von russischem Erdgas wäre für die deutsche Volkswirtschaft handhabbar.

Nach Ansicht der Leopoldina sind, um auf einen möglichen Stopp russischer Erdgaslieferungen in die EU vorbereitet zu sein, Sofortmaßnahmen, eine mittelfristige Diversifizierung der Energieversorgung und eine Einbettung dieser Maßnahmen in einen Transformationspfad hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung notwendig.

Kurzfristig ließe sich ein Lieferende durch Flüssiggasimporte, Einsparungen beim Erdgas und das Füllen von Gasspeichern als Puffer für den Winter kompensieren. Um die Erdgasnachfrage zu reduzieren, könnte zudem auf eine stärkere Kohleverstromung gesetzt werden. Mittelfristig benötige Deutschland eine robuste Reserve an Energieträgern, einen Ausbau der Flüssiggaskapazitäten und eine Ertüchtigung des Gasnetzes. Langfristig empfiehlt die Leopoldina den Ausbau der Infrastruktur für den Umschlag und Import von Wasserstoff sowie der erneuerbaren Energien.

Die aktuelle Situation mache es erforderlich, den Umbau des Energiesystems noch energischer als bisher voranzutreiben. Die politischen, rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen für die Akteure des zukünftigen Energiesystems sollten europäisch angelegt werden und dabei diejenigen EU-Mitgliedsstaaten vorangehen, deren Energieversorgung aktuell von Russland besonders abhängig ist.

Hier geht es zur Ad-Hoc-Studie der Leopoldina.

Die Gassparbemühungen lassen nach