Über die Wirtschaftlichkeit wie auch über die Umweltwirkung von Elektroautos kursieren allerlei Geschichten und Mythen. Immer wieder ins Feld geführt wird unter anderem, dass der Weiterbetrieb von bereits angeschafften Verbrenner-Fahrzeugen oftmals nachhaltiger sei als deren Verschrottung und die Ersetzung durch ein E-Auto. Diese Behauptung widerlegt eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu).
Die Ifeu-Studie verweist darauf, dass bei Verbrennern die meisten Ressourcen nicht bei der Herstellung, sondern beim Betrieb verbraucht werden. Mittelfristig fielen dann „erheblich mehr“ klimaschädliche Emissionen an als bei der Produktion und Nutzung eines E-Autos. Dem Ifeu zufolge ist das E-Auto fast immer die klimafreundlichere Option, wenn man den ganzen Lebensweg von Fahrzeugen betrachtet.
Für die Studie haben sich Forscher verschiedene Antriebsarten in der Kompakt- oder Golf-Klasse angesehen. Dort spiele das Elektroauto seine Vorteile im Vergleich zu neuen Verbrenner-Autos schon heute nach 45.000 bis 60.000 Kilometern aus. Werde regenerativer Strom genutzt, amortisiere es sich klimatechnisch sogar bereits nach etwa 25.000 bis 30.000 Kilometern.
Werden demgegenüber Verbrenner weiter verwendet, sparen sie die vergleichsweise hohen Herstellungsemissionen eines Elektroautos zunächst ein. Aber, so der Ifeu-Wissenschaftler Hinrich Helms, „[d]ie Fahrzeugnutzung führt dann […] aufgrund der Antriebstechnik zu erheblich höheren Emissionen, in der Regel auch gegenüber einem neuen Verbrenner“.
Etwa 85 Prozent der klimarelevanten Emissionen entstünden bei Verbrennern im Betrieb – also dadurch, dass fossile Kraftstoffe hergestellt und verbrannt werden. Vergleiche man sie mit bereits „abgeschriebenen“ Gebrauchtwagen, müssten Elektroautos lediglich mehr Kilometer fahren, bis sich ihre Herstellungsemissionen amortisieren. Bei einer üblichen Jahresfahrleistung von durchschnittlich 13.750 Kilometern sei der Umstieg aufs E-Auto auch bereits nach 5,2 Jahren klimafreundlicher.
Die Studienautoren gingen in ihrem Vergleich davon aus, dass ein Elektroauto auf 100 Kilometer 21 Kilowattstunden Strom und ein Benziner 7 Liter Benzin/Diesel verbraucht.
Diese Nachricht hat bislang leider wenig Niederschlag bei Autokäufern gefunden. Denn im vergangenen Jahr stiegen die durchschnittlichen CO2-Emissionen von Neuwagen wieder. Im Schnitt kamen die Flotten 2023 auf 115 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer. Das waren fast fünf Prozent mehr als im Jahr davor. Auffällig ist vor allem die Steigerung im Monat Dezember. Um rund 40 Prozent stiegen die durchschnittlichen CO2-Emissionen pro Fahrzeug im Vergleich zum Vorjahr.
Grund dafür dürfte vor allem sein, dass im Januar 2023 die Kaufprämie für Elektroautos reduziert wurde. Viele Käuferinnen und Käufer hatten deshalb noch im Dezember 2022 zugeschlagen, um die volle Prämie zu erhalten. Im vergangenen Dezember fiel dieser Vorzieheffekt weg. Die Prämie wurde aufgrund der Haushalts-Neuaufstellung kurzfristig vollständig gekippt. Der Anteil reiner Elektroautos an den Neuzulassungen fiel deutlich geringer aus.
Insgesamt wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt im vergangenen Jahr mehr als 524.000 batterieelektrische PKW neu zugelassen. Das waren 11,4 Prozent mehr als 2022.