Monitoringbericht Energie 2021 ist erschienen

vom 02.12.2021

Die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt haben den Monitoringbericht 2021 über die Entwicklungen auf den deutschen Elektrizitäts- und Gasmärkten veröffentlicht.

Laut dem Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, zeigten die Zahlen des Monitoringberichts, „dass bei der Umsetzung der Energiewende noch eine Wegstrecke vor uns liegt – und durch die Corona-Pandemie sind auch die Herausforderungen auf den Energiemärkten nicht kleiner geworden“. Sekundiert wird dem BNetzA-Präsidenten dabei von seinem Kollegen aus dem Bundeskartellamt Andreas Mundt: „Mit der voranschreitenden Energiewende, dem gleichzeitigen Ausstieg aus der Stromerzeugung aus Kernkraft und Kohle und dem Ausbau der erneuerbaren Energien sehen wir derzeit ganz erhebliche Umbrüche bei Marktpositionen und -strukturen. Umso mehr kommt es darauf an, auf allen Marktstufen wettbewerbliche Strukturen und Auswahl für Verbraucherinnen und Verbraucher zu sichern.“

Aufgrund der Energiewende komme es zu einem Rückgang der konventionellen Stromerzeugungskapazitäten. Für erste Steinkohlekraftwerke wurde das Ende der Kohleverstromung im Juli 2021 eingeläutet, während die letzten Atomkraftwerke 2022 abgeschaltet werden. Wie der Monitoringbericht dokumentiert, verzeichnete die Stromerzeugung aus nicht erneuerbaren Energieträgern in 2020 ein deutliches Minus von 11,6 Prozent. Insbesondere die Erzeugung in Kohlekraftwerken war in 2020 im zweiten Jahr in Folge stark rückläufig. Der Rückgang der Verstromung bei Steinkohle betrug rund 25 Prozent und bei Braunkohle rund 20 Prozent.

Anders sieht es bei der regenerativen Stromerzeugung aus. Diese nahm 2020 um 3,4 Prozent zu. Das lag vor allem am Zubau neuer PV- und Windkraftanlagen. Dabei stieg der erneuerbare Anteil am Bruttostromverbrauch auf 45 Prozent. Die Zunahme dieser volatilen Erzeugungskapazität hatte indes deutliche Auswirkungen auf die Maßnahmen der Netzbetreiber zur Wahrung der Netz- und Systemstabilität. Obwohl rund 95 Prozent des potentiell erzeugbaren erneuerbaren Stroms auch tatsächlich zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern transportiert werden konnte, stiegen die vorläufigen Gesamtkosten für Netzengpassmanagementmaßnahmen (Einspeisemanagement, Redispatch inkl. Countertrading sowie Einsatz und Vorhaltung Netzreserve) auf rund 1,4 Milliarden Euro.

Bei den Strom- und Gaspreisen zeigt sich weiterhin ein Aufwärtstrend: Zum Stichtag 1. April 2021 waren die Strompreise für Haushaltskunden im Vergleich zum Vorjahr um rund zwei Prozent gestiegen. Im Durchschnitt beträgt der Arbeitspreis 32,62 Cent je Kilowattstunde (brutto). Der vom Lieferanten beeinflussbare Anteil betrage im Jahr 2021 rund 26,3 Prozent. Der Gaspreis für Haushaltskunden stieg zum Stichtag um rund sechs Prozent 6,5 (Grundversorgung) bzw. 7,6 (Lieferung durch andere Versorger) Prozent auf 7,45 bzw. 6,41 Cent je Kilowattstunde (brutto). Bei den Nicht-Haushaltskunden betrug der Anstieg für Gewerbekunden rund 4,8 Prozent und für Industriekunden rund 16,6 Prozent.

Sehr erfreulich aus Sicht der beiden Behörden zeigt sich die Vitalität der Energiemärkte im Bereich Versorgerwechsel. 2020 wurde im Strombereich mit rund 5,4 Millionen Lieferantenwechseln von Haushaltskunden ein neuer Rekordstand erreicht. Auch im Gasbereich gab es mit rund 1,6 Millionen Lieferantenwechseln einen neuen Höchststand.

Erfreulich sind auch die Zahlen im Bereich der Strom- und Gassperrungen. Sowohl die Zahl der Sperrandrohungen, als auch die der tatsächlich durchgeführen Sperrungen ist rückläufig: 2020 wurden bei rund 4,22 Millionen Stromkunden eine Sperrung angedroht (2019: 4,75 Millionen – ein Minus von rund 11,2 Prozent), tatsächlich gesperrt wurden letztlich fast 239.000 Kundinnen und Kunden (2019: fast 306.000, minus 21,6 Prozent). Im Gasbereich wurden 2020 rund 978.000 Sperren angedroht (2019: 1,03 Millionen – ein Minus von rund 5,6 Prozent), tatsächlich gesperrt wurden rund 25.800 Kundinnen und Kunden (2019: rund 33.000, minus 21,9 Prozent).

Besondere Aufmerksamkeit verdiene aktuell der Bereich E-Mobilität und Ladeinfrastruktur. Laut dem BKartA-Präsidenten müsste jetzt dafür Sorge getragen werden, „dass eine wettbewerbsorientierte Marktstruktur für die Zukunft gewährleistet ist.“ Daher führe das Bundeskartellamt derzeit eine Sektoruntersuchung E-Ladesäulen durch. Erst jüngst habe sein Haus die vorläufigen Erkenntnisse veröffentlicht, die aufzeigten, „dass wir mehr tun müssen, um einen offenen und diskriminierungsfreien Zugang z.B. für öffentliche Flächen für die Errichtung von Ladesäulen zu gewährleisten.“

Der komplette Monitoringbericht ist auf der BNetzA-Webseite abrufbar.