Der Monitoringbericht 2022 von Bundeskartellamt (BKartA) und Bundesnetzagentur (BNetzA) liegt nun vor. Er gibt einen Überblick zu den Entwicklungen auf den deutschen Elektrizitäts- und Gasmärkten. Die enthaltenen Analysen beziehen sich dabei vor allem auf das Jahr 2021. Allerdings wurden auch die Entwicklungen seit dem russischen Angriff auf die Ukraine teilweise mit berücksichtigt.
Laut BNetzA-Präsident Klaus Müller hätten die Folgen des andauernden russischen Angriffskriegs auf die Ukraine „die bisherigen Verhältnisse auf den europäischen und deutschen Strom- und Gasmärkten auf den Kopf gestellt. Für den deutschen Strom- und Gasverbraucher sind sie in Form von steigenden Energiepreisen deutlich spürbar.“ Der Monitoringbericht beschreibe die ersten Entwicklungen in diesem Kontext mit gesichertem Zahlenmaterial.
Wie der BKartA-Präsident Andreas Mundt ergänzt, habe das dazu geführt, dass 2021 der „Konzentrationsgrad bei der konventionellen Stromerzeugung in Deutschland gestiegen [ist], einige Stromerzeuger sind für die Deckung der Stromnachfrage in Deutschland zunehmend unverzichtbar.“ Die aktuelle, zugespitzte Situation sei ein Grund mehr, die wettbewerblichen Strukturen konsequent zu schützen.
Konkret zeigt sich das beim Marktanteil der „Großen Fünf“: E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW und EWE stünden für zwei Drittel des Marktes (66,5 Prozent). 2020 sei der Anteil mit 65,3 Prozent noch etwas geringer ausgefallen. Durch die Marktverknappung bei der konventionellen Stromerzeugung hätten die verbleibenden Erzeugungskapazitäten bei einem insgesamt kleiner werdenden konventionellen Kraftwerkspark eine zunehmende Bedeutung. Dies gelte umso stärker, wenn die konventionellen Kraftwerke bei wind- und sonnenarmer Witterung dann ausbleibende regenerative Erzeugung ersetzen müssten.
Gerade letzteres war im Betrachtungszeitraum eine Herausforderung. Denn die Erzeugung aus Erneuerbaren Energien sank 2021 um rund 7,2 Prozent, ihr Anteil am Bruttostromverbrauch sank auf 40 Prozent (2020: 45 Prozent). Hauptgrund war eine vergleichsweise wind- und sonnenarme Witterung im Jahresverlauf. Ein Lichtblick hierbei: Trotz Verzögerungen im Netzausbau konnten rund 97 Prozent des erneuerbaren Stroms von Endverbrauchern genutzt werden.
Mit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine Ende Februar 2022 stiegen die ohnehin bereits hohen Preise im Strom- und Gasgroßhandel noch einmal deutlich. In der Folge zeigte sich der Markt sehr volatil. Bis Ende August 2022 verdreifachten sich in der Spitze die Großhandelsstrompreise. So notierte das Stromprodukt Phelix-Base-Year-Future zeitweise bei rund 1.000 Euro je Megawattstunde. Die Preise sind in der Folge zwar zurückgegangen. Der geplante Weiterbetrieb von Kohle- und Atomkraftwerken kann sich zusätzlich preisdämpfend auswirken. Insgesamt aber bleiben die Preise auf hohem Niveau.
Der Durchschnittspreis für Haushaltskunden (Stichtag 1. April 2022) kletterte um rund 10,5 Prozent auf 36,06 Cent je Kilowattstunde (2021: 32,63 Cent je Kilowattstunde). In diesem Segment mussten die Netzbetreiber mit 234.926 Sperrungen rund 2,1 Prozent mehr Stromkunden belegen als 2020 (230.015). Mit etwa vier Millionen Sperrandrohungen wurden etwas weniger ausgesprochen als 2020 (4,2 Millionen). Allerdings stieg die Zahl der Sperrbeauftragungen um 6,3 Prozent auf 740.000 (2020: 696.000).
Der durchschnittliche Gaspreis für Haushaltskunden über alle Vertragskategorien hinweg stieg zum Stichtag um 47,9 Prozent auf 9,88 Cent je Kilowattstunde (2021: 6,68 Cent je Kilowattstunde). In der Grundversorgung lag der Durchschnittspreis um 27,7 Prozent höher: Er betrug 9,51 Cent je Kilowattstunde (2021: 7,45 Cent je Kilowattstunde). Die Anzahl der von den Netzbetreibern tatsächlich durchgeführten Sperrungen lag im Jahr 2021 bei 26.905 (plus 12,1 Prozent; 2020: 23.991). Insgesamt wurden gut eine Million Sperrungen gegenüber Haushaltskunden angedroht. Von diesen führten rund 174.000 in eine Beauftragung der Sperrung beim zuständigen Netzbetreiber.
Wie der BNetzA-Präsident ausführte, ergäben sich durch die „starke Volatilität auf den Beschaffungsmärkten und geänderte Beschaffungsstrategien der Gaslieferanten verbunden mit einer weiteren Verknappung der verfügbaren Gasmenge […] Belastungen für Letztverbraucher, denen der Staat mit der Absenkung der Mehrwertsteuer und der Gaspreisbremse“ entgegentreten werde. BKartA-Präsident Mundt wies darauf hin, dass die derzeitige Situation „negative Auswirkungen auch auf die Wechselmöglichkeit und -bereitschaft im Strom- und Gaseinzelhandel gezeitigt“ habe. Es sei noch nicht absehbar, inwieweit sich die derzeitigen Verschlechterungen des Marktumfeldes als strukturell nachhaltig oder lediglich als Übergangsphänomen der extremen Preisvolatilität erweisen werde. Konkret wechselten 2021 fast 4,8 Millionen Kunden ihren Stromlieferanten (Gas: 1,64 Millionen, davon rund 340.000 „unfreiwillige Lieferantenwechsler“; minus 0,5 Prozent). Die Lieferantenwechselquote lag im Strombereich damit bei 9,7 Prozent (2020: 10,9 Prozent).