Nationale Wasserstoffstrategie wird fortgeschrieben

vom 26.07.2023

Wasserstoff ist der große Hoffnungsträger, um eine zukünftige Energieversorgung nachhaltig zu gestalten. Deshalb hat die Bundesregierung bereits vor drei Jahren eine Nationale Wasserstoffstrategie erarbeitet und beschlossen. Diese wurde nun angepasst und vom Bundeskabinett beschlossen.

Der federführende Bundeswirtschafts- und -klimaschutzminister Robert Habeck ist überzeugt, eine wichtige Entscheidung vorangetrieben zu haben. „Mit der Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie setzen wir den Rahmen für die neue Phase im Wasserstoffmarkthochlauf, die wir seit dem Regierungsantritt konsequent eingeleitet haben: Von Forschung und Demonstration hin zur großskaligen Produktion. Investitionen in Wasserstoff sind eine Investition in unsere Zukunft“.

Auch die drei maßgeblich betiligten Ressorts Bildung, Umwelt und Verkehr würdigten die Bedeutung der Fortentwicklung der drei Jahre alten Strategie. Laut Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger sei „Wasserstoff […] das noch fehlende Puzzleteil der Energiewende. Er ist die große Chance, Energiesicherheit, Klimaneutralität und Wettbewerbsfähigkeit zu verbinden.“ Bundesumweltministerin Steffi Lemke betonte, dass „Wasserstoff unverzichtbar für einen erfolgreichen Klimaschutz [ist]. Wichtig ist, dass wir den Markthochlauf von Wasserstoff von Beginn an nachhaltig und umweltfreundlich ausgestalten.“ Für Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing zählt die Bedeutung von „Wasserstoff und seine[r] Derivate […] für eine nachhaltige klimafreundliche Mobilität“, sie ergänzten sinnvoll andere alternative Antriebsformen.

Die nun beschlossenen Anpassungen der Wasserstoffstrategie sind kurz-, mittel und langfristig bis 2030 geplant:

  • Beschleunigter Markthochlauf von Wasserstoff: Der Markthochlauf wird deutlich beschleunigt und das „Ambitionsniveau“ entlang der gesamten Wertschöpfungskette massiv gesteigert.
  • Importstrategie: Dazu erarbeitet die Bundesregierung eine Strategie, die die heimische Produktion durch Importe aus Partnerländern absichern soll. Darin werden auch Nachhaltigkeitskriterien im Sinne der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung berücksichtigt. Die Importstrategie wird das Signal an Partnerländer senden, dass Deutschland weltweit Kooperationen eingehen, verlässliche Lieferketten nach Deutschland ermöglichen, nachhaltige Standards etablieren und als Technologiepartner zur Verfügung stehen will.
  • Sicherstellung ausreichender Verfügbarkeit: Das Ziel für heimische Elektrolysekapazität im Jahr 2030 wird auf mindestens 10 Gigawatt verdoppelt. Der restliche Bedarf wird durch Importe gedeckt.
  • Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur: Das Bundeskabinett hat bereits Ende Mai in der EnWG-Novelle den rechtlichen und regulatorischen Rahmen für das zukünftige Wasserstoff-Kernnetz für Deutschland als erste Ausbaustufe der Wasserstoffinfrastruktur beschlossen. Bis 2027/2028 soll ein gefördertes Wasserstoffstartnetz mit mehr als 1.800 Kilometer Wasserstoffleitungen in Deutschland entstehen; europaweit kommen etwa 4.500 Kilometer hinzu (European Hydrogen Backbone). Mittels Erweiterung werden bis 2030 alle großen Erzeugungs-, Import- und Speicherzentren mit den relevanten Abnehmern verbunden.
  • Etablierung von Wasserstoffanwendungen: Bis 2030 werden Wasserstoff und seine Derivate insbesondere bei Anwendungen in der Industrie, bei schweren Nutzfahrzeugen sowie zunehmend im Luft- und Schiffsverkehr eingesetzt. Im Stromsektor trägt Wasserstoff zur Energieversorgungssicherheit bei, unter anderem durch auf klimaneutrale Gase umrüstbare Gaskraftwerke (H2-ready) und systemdienliche Elektrolyseure, insbesondere als variable und systemdienliche Stabilisatoren bzw. flexible Lasten. Zur perspektivischen Nutzung von Wasserstoff bei der zentralen und dezentralen Wärmeversorgung werden die Rahmenbedingungen aktuell weiterentwickelt.
  • Deutschland als Leitanbieter für Wasserstofftechnologien: Deutsche Anbieter bauen ihre Technologieführerschaft aus und bieten die gesamte Wertschöpfungskette von Wasserstofftechnologien von der Produktion (z. B. Elektrolyseure) bis hin zu den unterschiedlichen Anwendungen (z. B. Brennstoffzellentechnologie) an.
  • Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen: Kohärente rechtliche Voraussetzungen auf nationaler, europäischer und möglichst auch internationaler Ebene unterstützen den Markthochlauf. Dies umfasst insbesondere effiziente Planungs- und Genehmigungsverfahren, einheitliche Standards und Zertifizierungssysteme sowie einer ausreichend ausgestatteten und auf allen Ebenen koordinierten Verwaltung.

Die Klima-Allianz Deutschland und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßen die Pläne grundsätzlich. Sie sehen Vorteile für den Klimaschutz. Allerdings mahnen beide Akteure Nachbesserungsbedarf in der Priorisierung der Anwendungsbereiche an. Besonders die Förderung von blauem Wasserstoff aus Erdgas und den Einsatz von Wasserstoff in Heizungen sehen die Verbände kritisch.

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