Die deutschen Stromnetze sollen schneller, vor allem aber kostengünstiger ausgebaut werden als bislang. Für dieses Ziel tritt eine breite politische Allianz aus Bundes- und Landespolitik ein. Unter anderem stehen die Bundestagsfraktionen der FDP und der Union sowie die Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Baden-Württemberg), Michael Kretschmer (Sachsen) und Dietmar Woidke (Brandenburg) hinter der Forderung.
Aktuelle Hauptforderung zur Erreichung des Ziels ist die Abkehr vom 2015 auf Druck der CSU durch die damalige Große Koalition beschlossenen Primat der Erdverkabelung. Diese ist deutlich teurer als Freilandleitungen. Je nach Quellen schwanken die Angaben zwischen dem doppelten und achtfachen Preis.
Die durch Erdkabel bedingten Mehrkosten für die rund 1.700 Kilometer der drei großen Trassen Nord-West-Link, Süd-West-Link und Ost-West-Link sollen bei mindestens 20 Milliarden Euro liegen.
Hinter der Forderung stehen zumindest inhaltlich auch die Bundesländer Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Niedersachsen dagegen will den Status Quo beibehalten. So sprach sich der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil bei der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz vehement gegen eine Rückkehr zur Freileitung aus. Das Erdkabel habe den öffentlichen Widerstand gegen die sogenannten „Monster-Trassen“ weitestgehend befriedet. Der aktuelle Protest vor allem aus der Landwirtschaft gegen die Verlegung von Erdkabeln falle dagegen deutlich milder aus und könne durch Entschädigungsregelungen befriedet werden.
Die Position Niedersachsens ist insofern bedeutend, da Bundeskanzler Olaf Scholz eine erneute Hinwendung zur Freilandverkabelung nur dann für sinnvoll umsetzbar hält, wenn sich alle 16 Bundesländer einig wären.
Im Herbst steht das Thema Stromtrassen noch einmal auf den Tagesordnungen von Bundesrat und Bundestag.