NordStream 2: Pipeline geschlossen

vom 10.09.2021

Nach jahrelangen, international aufmerksam beobachteten Bauarbeiten ist Anfang der Woche die Pipeline NordStream 2 geschlossen worden. Das letzte Rohr wurde verschweißt und anschließend auf den Meeresboden abgesenkt. Das teilten unabhängig voneinander der Pipelinebetreiber und die Mutter Gazprom mit.

Bis indes das erste Erdgas von Russland nach Deutschland fließen kann, wird es noch etwas dauern. Zuvor muss nämlich die deutsche Aufsichtsbehörde, das ist die Bundesnetzagentur, die Betriebsgenehmigung erteilen. Gazprom zeigte sich jedoch bereits im Vorfeld sicher, dass es keine Hindernisse mehr gebe. Gazprom-Chef Alexej Miller sagte bereits am 2. September der Agentur Interfax, dass sein Unternehmen „noch in dieser Heizperiode […] das erste Gas über die Pipeline NordStream 2 an den europäischen Markt liefern“ könne. Auf russischer Seite seien alle Vorbereitungen dafür getroffen worden.

Miller verwies explizit auf die Produktionskapazitäten auf der Jamal-Halbinsel und den Transport von Erdgas nach Wyborg, wo die Ostseepipeline in Richtung Deutschland beginnt. „Unsere wichtigste Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass unsere Verbraucher die Winterkälte nicht spüren müssen“.

Gazprom plante während der Bauphase, noch bis Ende dieses Jahres 5,6 Milliarden Kubikmeter Gas durch NordStream 2 nach Europa zu liefern. Auch wenn das eventuell schwierig werden könnte, sind doch die Voraussetzungen für einen Erfolg gut. Der Gaspreis ist in den letzten Wochen gestiegen – auch wegen einer bewussten Verknappung der russischen Gaslieferungen nach Europa. Gazprom etwa hatte für September nur vier Prozent der zusätzlichen Leitungskapazität gebucht, die für den Export durch die Ukraine zur Verfügung stehen.

Parallel kam es in diesem Jahr auf den größten europäischen Märkten zu einem starken Wachstum der Nachfrage. Auch hat die Volksrepublik China in den ersten fünf Monaten ein Viertel mehr Erdgas eingeführt als im Vorjahrszeitraum. Der vergleichsweise harsche Winter 2020/21 hat zudem dazu geführt, dass die europäischen und weltweiten Gasspeicher geleert wurden. Seit Frühjahr und Sommer werden diese wieder befüllt, was ein zusätzlicher Preistreiber ist.

Haben die NordStream-Pipelines eine Zukunft?