Deutschland hat sich ein ambitioniertes Ziel bei der Offshore-Windenergie gesetzt: Bis 2030 sollen 30 Gigawatt Windkapazität in Nord- und Ostsee installiert sein, bis 2045 sogar 70 Gigawatt. Aktuell bringen die 1.730 Windenergieanlagen dort es auf eine Leistung von 9,2 Gigawatt (zuzüglich 143 Megawatt noch nicht angeschlossener Anlagenleistung).
Jedoch: Der Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland stagniert. Im ersten Halbjahr ging keine neue Offshore-Windanlage in Betrieb. Zwar wurden 56 Fundamente am Meeresboden installiert, diese tragen jedoch noch keine Windräder.
Wind-Branchenverbände bezweifeln, dass das ehrgeizige Ziel mit diesem Ausbautempo erreichbar ist. Das machten sechs Verbände, darunter der Bundesverband WindEnergie e.V., der Bundesverband Windenergie Offshore e.V. und VDMA Power Systems, in einer gemeinsamen Erklärung deutlich.
Das größte Hindernis sehen die Verbände in den geltenden Ausschreibungsregeln. Bei der jüngsten Auktion für eine Offshore-Wind-Fläche erhielt im Juni 2025 mit 180 Millionen Euro ein geringeres Gebot den Zuschlag als bei bisherigen Ausschreibungen. Darin sieht die Branche ein Zeichen, dass die Risiken für die Windkrafterzeuger zu hoch sind.
Dies liege zum einen an Engpässen in der Lieferkette, zum anderen an starren Vorgaben für die Überbauung der zugeteilten Flächen. Verpflichtend ist derzeit eine Überbauung von 10 bis 20 Prozent der Fläche. Die Branchenverbände kritisieren diese Regelung als zu starr. Der ideale Grad der Überbauung sei je nach Standort unterschiedlich.
Die Verbände fordern zudem eine europaweite Harmonisierung der Ausschreibungsregeln. Die europäischen Hersteller und Zulieferer müssten eine industriepolitische Unterstützung erhalten. Ferner fordern die Verbände ein anderes Erlösmodell in Form staatlicher Differenzverträge (Contract for Difference – CfD), wie auch die EU-Kommission vorgeschlagen hatte.