Presseinformation: Gemeinsamer Impuls für den Klimaschutz: Stadtwerke-Initiative Klimaschutz der ASEW bilanziert Arbeit der Initiative-Mitglieder

vom 01.10.2026

Köln – Vor mehr als vier Jahren haben sich 44 Stadtwerke durch ihre Teilnahme an der Stadtwerke-Initiative Klimaschutz der ASEW freiwillig dazu verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen systematisch zu erfassen, konkrete Verbesserungswege zu entwickeln und transparent über ihre Klimaschutzaktivitäten zu informieren. Mittlerweile gehören der Initiative 87 kommunale Versorger an. Der neue Jahresbericht der Initiative zeigt, wie sich ihre Klimaarbeit seitdem weiterentwickelt hat, welche Themen die Strategien prägen und vor welchen Herausforderungen die Unternehmen aktuell stehen.

Die bisherige Arbeit der Initiative fußte auf gemeinsam entwickelten Leitlinien und einem Kriterienkatalog, dessen Anforderungen die Mitglieder nachweisen mussten. Dazu gehörten die Ermittlung von Treibhausgasemissionen nach anerkannten Standards, die Entwicklung von Dekarbonisierungsstrategien, die kontinuierliche Arbeit an darauf aufbauenden Maßnahmen und eine transparente Kommunikation über geplante Vorhaben. Mit den neuen gesetzlichen Anforderungen an freiwillige Umwelt- und Klimaschutzaussagen verändern sich nun die Rahmenbedingungen für diese Kommunikation.
 
Die Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“ (EmpCo), in Deutschland in einer Anpassung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) in nationales Recht überführt, soll Verbraucher:innen vor irreführenden Umweltaussagen schützen und stellt neue Anforderungen an die Nachhaltigkeitskommunikation von Unternehmen. Seit dem 27. September 2026 gelten für freiwillige Umwelt- und Klimaschutzaussagen gegenüber Kundinnen und Kunden deutlich strengere gesetzliche Anforderungen. Klimaziele und -strategien dürfen künftig nur kommuniziert werden, wenn das Unternehmen eine durchaus kostspielige Prüfungs-Hürde überwindet und (teils noch unklare) strenge Vorgaben erfüllt.
 
„Für Stadtwerke ist dies besonders anspruchsvoll, da langfristige Maßnahmen in den Bereichen Wärme, Netze und Erzeugung häufig von Genehmigungen, Fördermitteln, politischen Entscheidungen und technischen Entwicklungen abhängen“, erläutert Maria Nolden, Teamleiterin Klimaschutz der ASEW. „Hinzu kommen erhebliche Aufwände für Datenerhebung, Dokumentation, rechtliche Bewertung und kostenpflichtige, externe Prüfungen unabhängiger Dritter.“ 
 
Da der bisherige Kriterienkatalog mit öffentlich kommunizierten Klimazielen und -maßnahmen verbunden war, kann er unter den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen nicht unverändert fortgeführt werden. Die ASEW richtet die Initiative deshalb neu aus. An die Stelle des bisherigen Kriterienkatalogs tritt ein freiwilliges Einverständnis der Mitglieder, ihre Klimaschutzarbeit konsequent fortzuführen und sich weiterhin aktiv in den Erfahrungsaustausch einzubringen. 
 
Vor diesem Hintergrund thematisiert der Jahresbericht auch das Risiko eines möglicherweise zunehmenden Greenhushings: Aus Sorge vor rechtlichen Risiken könnten Stadtwerke vorhandene Klimaschutzaktivitäten und Zukunftspläne künftig zurückhaltender kommunizieren. Weniger öffentliche Aussagen dürfen jedoch nicht mit fehlendem Engagement gleichgesetzt werden. Entscheidend sind konkrete Investitionen, umgesetzte Projekte und nachgewiesene Fortschritte. Gerade unter diesen veränderten Rahmenbedingungen gewinnt der offene und vertrauensvolle Erfahrungsaustausch innerhalb der Initiative weiter an Bedeutung. Die Mitglieder haben sich gemeinsam dafür ausgesprochen, ihre Klimaschutzarbeit konsequent fortzuführen, Erfahrungen miteinander zu teilen und gemeinsam Lösungsansätze weiterzuentwickeln. Inzwischen bringen sich 171 Stadtwerkerinnen und Stadtwerker in die Arbeit der Initiative ein. In bislang 45 gemeinsamen Arbeitssitzungen haben sie sich unter anderem mit Treibhausgasbilanzierung, Reduktionspfaden, Monitoring, transparenter Kommunikation und der praktischen Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen beschäftigt. 
 
Künftig richtet die Initiative ihren Blick noch stärker auf konkrete Maßnahmen, erfolgreich umgesetzte Projekte und nachvollziehbar erreichte Fortschritte. Die ASEW unterstützt ihre Mitglieder dabei, Erfahrungen aus der praktischen Umsetzung innerhalb der Initiative zu teilen und ihre Klimaschutzaktivitäten unter den veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen angemessen zu kommunizieren. „Die Stadtwerke haben sich aus eigener Überzeugung auf den Weg gemacht und über Jahre Strukturen geschaffen, mit denen Klimaschutz messbar, steuerbar und verbindlich wird“, ordnet Maria Nolden die Bedeutung der Initiativenarbeit ein. „Der Jahresbericht zeigt, dass aus einzelnen Maßnahmen zunehmend integrierte Transformationsprogramme entstehen. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig der vertrauensvolle Austausch ist, gerade weil die technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen weiter zunehmen.“ Erreichte Meilensteine der Mitglieder sollten weiter mit externen Stakeholdern geteilt werden, um den gemeinsamen Fortschritt in der Stadtwerkewelt präsent zu halten. 
 
Einblicke in die Klimastrategien von 23 Stadtwerken 
Für den Jahresbericht hat die ASEW freiwillig eingereichte, interne Strategieunterlagen von insgesamt 23 Stadtwerken der Initiative ausgewertet. Der Bericht stellt Gemeinsamkeiten, typische Lösungsansätze und erkennbare Entwicklungslinien dar. Ergänzend geben sechs Mitgliedsunternehmen persönliche Einblicke in ihre Schwerpunkte, Fortschritte und aktuellen Herausforderungen.
 
Klimaschutz zunehmend bereichsübergreifend verstanden 
Die Auswertung zeigt: Klimaschutz wird in den Stadtwerken nicht mehr als einzelnes Umweltprojekt behandelt. Er betrifft Erzeugungsanlagen, Wärme- und Gasnetze, Stromprodukte, Mobilität, Gebäude, Wasserwirtschaft, Beschaffung und auch die langfristige Unternehmensplanung. Wiederkehrende Dimensionen der Strategien sind insbesondere die Klimaziele, Treibhausgasbilanzen, Reduktionspfade, konkrete Maßnahmen und eine zunehmende Verankerung in Organisation und Unternehmenssteuerung. 
 
Von der Treibhausgasbilanz zum Transformationsplan 
Treibhausgasbilanzen dienen den Stadtwerken als Diagnose- und Steuerungsinstrument. Sie machen relevante Emissionsquellen sichtbar, unterstützen die Priorisierung von Maßnahmen und bilden die Grundlage für Zwischenziele und Fortschrittskontrollen. Die Mitglieder der Initiative betrachten dabei flächendeckend Emissionen aus Scope 1, 2 und 3, auch wenn sich Bilanzgrenzen, Referenzjahre, Emissionsfaktoren und methodische Tiefe unterscheiden. 
 
Fortgeschrittene Strategien übersetzen die Bilanz bereits in zeitliche Reduktionspfade. Diese verknüpfen Maßnahmen, Anlagenlaufzeiten, erwartete Emissionsminderungen, Investitionen und externe Abhängigkeiten. Andere Strategien befinden sich noch auf der Ebene eher qualitativer Maßnahmenkataloge. Insgesamt zeichnet sich eine Entwicklung von einzelnen Projekten hin zu steuerbaren Maßnahmenportfolios und langfristigen Transformationsplänen ab. 
 
Die Wärmeversorgung bleibt zentraler Transformationsbereich 
Ein besonderer Schwerpunkt der Stadtwerke liegt auf der Transformation der Wärmeversorgung. Der Ausbau und die Umstellung von Wärmenetzen, die Nutzung von Umwelt- und Abwärme, Großwärmepumpen, Solarthermie sowie die Abstimmung mit der kommunalen Wärmeplanung gehören zu den zentralen Handlungsfeldern. „Hierbei stehen die Unternehmen vor der nicht gerade kleinen Aufgabe, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und technische Machbarkeit miteinander zu verbinden“, gibt Nolden zu bedenken. „Weitere Schwerpunkte sind der Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung, Speicher und Flexibilitätsoptionen, die Zukunft der Gasnetze sowie Maßnahmen bei Mobilität, Gebäuden und eigenem Betrieb. Zugleich wird Klimaschutz zunehmend mit der Unternehmensstrategie, dem Nachhaltigkeitsmanagement, der Investitionsplanung und allgemeinen Geschäftsprozessen verbunden.“  
 
Gemeinsamer Fortschritt statt Einzelvergleich 
Der Jahresbericht verdeutlicht, dass für die Stadtwerke keine einheitliche technologische Lösung existiert. Regionale Voraussetzungen, vorhandene Infrastrukturen, Kundenstrukturen und kommunale Planungen führen zu unterschiedlichen Transformationspfaden. Der gemeinsame Nenner besteht darin, direkt beeinflussbare Maßnahmen im eigenen Betrieb mit dem langfristigen Umbau der regionalen Energieversorgung zu verbinden.
 
„Die Initiative lebt davon, dass Stadtwerke ihre Erfahrungen offen miteinander teilen. Es geht nicht darum, Unternehmen miteinander zu vergleichen, sondern gemeinsam belastbare Lösungen zu entwickeln und aus praktischen Erfahrungen zu lernen. Diese Zusammenarbeit hilft den Mitgliedern, Klimaschutz trotz komplexer Rahmenbedingungen vor Ort wirksam umzusetzen.“ 
 
Die veränderten Anforderungen an die Klimaschutzkommunikation schmälern die Bedeutung der Initiative nicht. Im Gegenteil: Gerade angesichts der wachsenden fachlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Herausforderungen bleibt sie mehr denn je eine Anlaufstelle für Stadtwerke, die Erfahrungen teilen und ihre Klimaschutzarbeit gemeinsam weiterentwickeln möchten. Interessierte Stadtwerke sind jederzeit willkommen, sich in die Initiative einzubringen. 
 
Der vollständige Jahresbericht 2026 der Stadtwerke-Initiative Klimaschutz kann unter https://www.stadtwerke-klimaschutz.de/ heruntergeladen werden. 
 

ASEW-Profil
Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) ist mit 400 Mitgliedern das größte deutschsprachige Stadtwerke-Netzwerk für Energieeffizienz, Klimaschutz und erneuerbare Energien. Die ASEW wurde 1989 aus dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) heraus gegründet. Das Ziel: Eine rationelle, sparsame und umweltschonende Energie- und Ressourcenverwendung zu fördern. Die ASEW berät und unterstützt ihre Mitglieder in diesen Bereichen und entwickelt für sie innovative Produkte und Dienstleistungen, die zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Das Portfolio der ASEW umfasst Produkte für Vertrieb und Kundenberatung, außerdem Seminare und Qualifizierungsangebote sowie eine Kunden- und Fördermittelberatung.

Markus Edlinger
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