Köln – Die mögliche Abschaffung der Einspeisevergütung für neue Photovoltaikanlagen unter 25 kWp ab 2027 verändert die Rahmenbedingungen für Stadtwerke grundlegend. Künftig wird die Direktvermarktung auch für kleine PV-Anlagen zunehmend relevant. Damit sind nicht nur Energievertriebe gefordert. Ebenso müssen Messstellenbetreiber, Verteilnetzbetreiber und Direktvermarkter ihre Prozesse und Geschäftsmodelle an die neuen Marktgegebenheiten anpassen. Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) unterstützt Stadtwerke bei der Wahl der besten Option.
Welchen Handlungsbedarf die Branche sieht, zeigt eine aktuelle Umfrage der ASEW im Rahmen der Online-Veranstaltung „PV ohne Vergütung: Was kommt jetzt?“ Dort wurden die Auswirkungen der geplanten EEG-Reform, die Wirtschaftlichkeit kleiner PV-Anlagen sowie Praxisansätze für eine massengeschäftstaugliche Direktvermarktung diskutiert. Rund 80 Vertreterinnen und Vertreter von Stadtwerken nahmen an der Veranstaltung teil.
An einer Live-Abfrage beteiligten sich 53 der Teilnehmer. Das Ergebnis zeigt: Die Branche befindet sich noch in einer frühen Orientierungsphase. Rund 49 Prozent bewerten derzeit noch, ob sie in das Geschäftsfeld Direktvermarktung einsteigen. Lediglich etwa 17 Prozent gaben an, einen Einstieg konkret zu planen. Weitere rund 13 Prozent planen derzeit keinen Einstieg, während etwa 21 Prozent die Frage noch nicht bewerten konnten.
Auch die Antworten derjenigen Stadtwerke, die einen Einstieg grundsätzlich in Betracht ziehen, verdeutlichen den hohen Orientierungsbedarf. Rund 42 Prozent der Befragten sind noch unentschlossen. Gleichzeitig zeigt sich ein klarer Trend zu Kooperationen: Etwa 16 Prozent suchen aktiv den Schulterschluss mit anderen Stadtwerken, um gemeinsam Angebote aufzubauen. Weitere rund 15 Prozent setzen auf die Zusammenarbeit mit spezialisierten Direktvermarktern. Nur eine kleine Minderheit plant den vollständigen Eigenaufbau einer Direktvermarktungslösung oder bietet entsprechende Leistungen bereits selbst an.
„Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Branche den Handlungsbedarf erkannt hat“, ist Sascha Manikowski, Teamleiter Energiedienstleistungen bei der ASEW, sicher. „Viele Stadtwerke prüfen aktuell ihre strategischen Optionen, suchen aber gleichzeitig nach praktikablen und wirtschaftlich tragfähigen Lösungen. Besonders im Fokus stehen dabei Kooperationen mit anderen Stadtwerken und etablierten Direktvermarktern.“
Die größte Herausforderung sehen die Befragten übrigens in der Wirtschaftlichkeit. In einer offenen Abfrage wurde das Thema „Kosten“ mit Abstand am häufigsten genannt. Darüber hinaus wurden technische Integrationsaufwände, Abrechnungsprozesse, laufende Betriebskosten, regulatorische Anforderungen sowie die Abstimmungsprozesse mit Verteilnetzbetreibern als wesentliche Hürden genannt. Mehrfach wurde zudem der Wunsch nach Modellen geäußert, die sowohl für Endkunden als auch für Stadtwerke wirtschaftliche Vorteile schaffen.
Um Stadtwerken Orientierung und konkrete Anknüpfungspunkte zu bieten, baut die ASEW derzeit eine Plattform für Kooperationen und strategische Partnerschaften auf. Ziel ist es, Stadtwerke bei der Suche nach geeigneten Partnern für neue Geschäftsfelder und energiewirtschaftliche Herausforderungen zusammenzubringen. Die Plattform verfolgt dabei einen praxisnahen Ansatz nach dem bewährten ASEW-Motto „Von Stadtwerken für Stadtwerke“. Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten finden interessierte Unternehmen auf der ASEW-Webseite unter „Stadtwerke-Kooperationen und strategische Partnerschaften“.
„Viele Stadtwerke, das zeigen die Antworten auf die Umfrage sehr gut, wollen die Herausforderungen der Direktvermarktung nicht im Alleingang lösen“, gibt Christoph Landeck, Abteilungsleiter EDL & Innovationen bei der ASEW, zu bedenken. „Genau hier setzen wir an. Wir sind überzeugt, dass Kooperationen ein entscheidender Erfolgsfaktor für die kommunale Energiewirtschaft sind. Unser Ziel ist es, Stadtwerke mit Stadtwerken zusammenzubringen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam skalierbare Lösungen zu entwickeln. Die Energiewende vor Ort gelingt am besten, wenn kommunale Unternehmen ihre Stärken bündeln und voneinander lernen.“
Die kommenden Jahre werden hierbei entscheidend sein. „Soll die Direktvermarktung kleiner Photovoltaikanlagen zu einem tragfähigen Massenmarkt werden, müssen bis spätestens 2030 skalierbare Prozesse etabliert werden. Dafür braucht es das koordinierte Zusammenspiel von Energievertrieb, Messstellenbetrieb, Verteilnetzbetreibern und Vermarktungspartnern. Gelingt dies nicht, droht langfristig eine Abschwächung des PV-Ausbaus im Heimsegment“, ist Manikowski überzeugt.
Die Umfrageergebnisse machen zudem deutlich, welche Rolle Stadtwerke dabei übernehmen können: „Als lokale Energiewende-Möglichmacher sind kommunale EVU prädestiniert, Kundinnen und Kunden beim Übergang von der festen Einspeisevergütung hin zu marktbasierten Vermarktungsmodellen zu begleiten. Viele Stadtwerke suchen dafür derzeit aktiv nach geeigneten Partnern und Wegbegleitern.“
ASEW-Profil
Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) ist mit bundesweit über 390 Mitgliedern das größte deutsche Stadtwerke-Netzwerk für Energieeffizienz, Klimaschutz und erneuerbare Energien. Die ASEW wurde 1989 aus dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) heraus gegründet. Das Ziel: Eine rationelle, sparsame und umweltschonende Energie- und Ressourcenverwendung zu fördern. Die ASEW berät und unterstützt ihre Mitglieder in diesen Bereichen und entwickelt für sie innovative Produkte und Dienstleistungen, die zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Das Portfolio der ASEW umfasst Produkte für Vertrieb und Kundenberatung, außerdem Seminare und Qualifizierungsangebote sowie eine Kunden- und Fördermittelberatung.
Markus Edlinger
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