Die Stromnetze in Deutschland befinden sich in vielerlei Händen: Während auf der Verteilnetzebene regionale EVU dominieren, befinden sich die Übertragungsnetze in der Hand von vier Unternehmen: 50 Hertz, Tennet, Amprion und TransnetBW. Aktuell befindet sich der Bund in Verhandlungen mit der Tennet-Mutter zwecks Übernahme des Netzes.
Diese Aktivitäten sollte der Bund durchaus forcieren. Das findet zumindest BASF-Chef Martin Brudermüller. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ forderte er eine Verstaatlichung der Stromnetze. Der Grund: Die im Zuge der Energiewende nötigen erheblichen Netz-Investitionen. Brudermüller zufolge müsse man „die Netze allen unentgeltlich zur Verfügung stellen“. Ohne eine vollständige Verstaatlichung sei das, Stichwort Netzentgelte, nicht möglich.
Ein Kauf durch den Bund sei zwar mit hohen Kosten verbunden, diese Diskussion müsse aber geführt werden. Der BASF-Chef hält auch eine öffentlich-private Partnerschaft für denkbar, um die Kosten zu teilen.
Im FAZ-Interview liefert Brudermüller auch Zahlen, um seine Forderung zu untermauern. Im Zuge der Energiewende habe BASF eine Milliarde Euro in einen Windpark in der Nordsee investiert. „Unser Windpark war der erste, der keine Subventionen gebraucht hat. Wenn nur diese Kosten meinen Strompreis ausmachen würden, baue ich fünf Parks.“
Doch weil der Bund die Windflächen versteigert, habe die Branche im vergangenen Jahr 12,5 Milliarden Euro zusätzlich aufbringen müssen. Hinzu kämen die langsam steigenden Netzentgelte. „Im Januar 2024 haben sich die Netzgebühren von 31 auf 64 Euro je Megawattstunde mehr als verdoppelt.“ Dieser Preis sei für die Industrie nicht tragbar. An eine Dekarbonisierung sei so auch nicht mehr zu denken.