THG-Neutralität 2045: Kraftakt & Chance zugleich

vom 21.10.2021

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Boston Consulting Group (BCG) haben eine gemeinsame Studie „Klimapfade 2.0“ erstellt: Darin konstatieren die beiden Partner einen gewaltigen Investitionsbedarf, wolle Deutschland bis 2045 tatsächlich nahezu treibhausgasneutral werden. Allein zur Erreichung des Zwischenziels 2030 seien rund 860 Milliarden Euro erforderlich.

Allerdings sei nicht nur die Herausforderung gewaltig, sondern auch die sich hier ergebenden Chancen. Deutschland stehe nach den Worten von BDI-Präsident Siegfried Russwurm vor der größten Transformation in der Geschichte. „Das Ziel Treibhausgasneutralität bis 2045 ist extrem ambitioniert. Die Umsetzung der benötigten Klimaschutzmaßnahmen erfordert allein bis 2030 Mehrinvestitionen von etwa 100 Milliarden Euro pro Jahr“. Dabei seien politische Grundsatzentscheidungen zur Umsetzung der Klimaziele überfällig. Deutschland brauche jetzt einen „großen Aufbruch mit einem historischen und schnellen Wirtschaftsprogramm für die Zukunft des Standortes.“

Wie Analysen von BCG zeigen, müsse der Bund umsteuern und schnell Impulse für einen Investitionsturbo setzen – insbesondere für einen massiven Aus- und Neubau von Strom-, Wasserstoff- und Ladeinfrastrukturen, für die Erzeugung erneuerbaren Stromes und Wärme, für Elektromobilität und Schienennetze. Dabei stünden nicht ausschließlich monetäre Aspekte im Vordergrund, sondern auch die schnelle Umsetzung, zum Beispiel durch deutlich straffere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Gleichzeitig müssten auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität 2045 die Weichen für neue internationale Energiepartnerschaften für den Import grüner Energieträger gestellt werden, ebenso wie für signifikante CO2-Senken.

In der Industrie seien schon bis 2030 rund 50 Milliarden Euro Investitionen für die bis dahin mögliche teilweise Umstellung zentraler Produktionsprozesse notwendig. Energieintensive Unternehmen stünden bei der Modernisierung ihrer Produktionskapazitäten vor der extremen Herausforderung, mittelfristig deutlich höhere Betriebskosten für CO2-arme Produktionsverfahren und CO2-freie Energieträger finanzieren zu müssen. Zugleich werde im Jahr 2030 der Strombedarf in der Industrie durch die Elektrifizierung industrieller Wärmeprozesse um 63 Terawattstunden steigen. Das sei mehr als der heutige Strombedarf der Schweiz pro Jahr. Dieser Trend werde sich bis 2045 noch verstärken.