Was tun mit den Erdgasnetzen?

vom 18.04.2024

Die Meldung machte schnell die Runde: Augsburg will als erste Großstadt in Deutschland sein Erdgasnetz stilllegen. Die Zeitung mit den vier Großbuchstaben titelte denn auch plakativ über dem eigentlichen Titel: Heiz-Schock für Millionen Deutsche droht. Wie so oft steckt dahinter aber keine Substanz: Die Stadtwerke dementieren jegliche Pläne zur Stilllegung des Gasnetzes.

Auslöser der irreführenden Berichterstattung war ein Informationsbrief der Stadtwerke an eine bestimmte Kundengruppe. Diese wurde über den Ausbau der Fernwärmeangebote informiert. Darauf folgte der Absatz: „Sollte eine Heizungserneuerung anstehen, sollte dies in die Überlegungen einbezogen werden, vor dem Hintergrund, dass ab 2040 in Bayern nach geltendem Recht keine Heizung mehr mit Erdgas betrieben werden darf.“

Das Umweltinstitut München ist indes überzeugt, dass ein frühzeitiges und intensives Nachdenken über die Zukunft der Erdgasnetze nötig und sinnvoll ist. Wie der Referent für die kommunale Klimawende am Umweltinstitut, Till Irmisch, zu bedenken gibt, seien „[k]lare Regeln für Stilllegungspläne […] eine wichtige Orientierungshilfe, denn das Heizen mit Gas wird auf absehbare Zeit immer teurer“.

Schon heute entschieden sich mehr und mehr Menschen für den Einbau einer Wärmepumpe und kündigten ihren Gasanschluss. Das bedeute, Instandhaltung und Betrieb der Gasnetze müssten künftig von einer immer weiter schrumpfenden Zahl an Gaskunden bezahlt werden. Diese Entwicklung werde in den nächsten Jahren an Fahrt aufnehmen, wenn nach Abschluss der kommunalen Wärmeplanung zusätzlich mehr Häuser an Fernwärmenetze angeschlossen werden.

Eine solche kommunale Wärmeplanung müssen gemäß Gebäudeenergiegesetz große Kommunen bis spätestens Mitte 2026 und kleine bis Mitte 2028 erarbeiten. Diese Planung ist eng verbunden mit der Vorschrift, dass neu einzubauende Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen.

Das Umweltinstitut gibt dabei zu bedenken, dass sich auch ein Umstieg auf alternative Gase nicht lohnen werde. Dabei verweist es auf eine eigene Studie zum Wasserstoff als Alternative zum Erdgas. Darin heißt es, „ein breiter Konsens in Forschung und Verbraucherschutz zeigt: Die Hoffnung auf die scheinbar einfache Lösung wird durch hohe Kosten- und Umsetzungsrisiken für Gasverteilnetzbetreiber und Bürger:innen zunichtegemacht. Investitionen in Wasserstoff für die Wärmeversorgung drohen somit zur Kostenfalle zu werden“.