Wasserkraft: Weltweit noch gewaltiges Potenzial

vom 22.01.2023

Weltweit besitzt Wasserkraft noch viel Potenzial für die Stromgewinnung. Das gilt vor allem für Asien und Afrika. Wie eine im Fachperiodikum „Nature Water“ veröffentlichte Studie zeigt, könnten weltweit immense Mengen an zusätzlichem Strom durch Wasserkraft erzeugt werden. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher um Rongrong Xu von der Südlichen Universität für Wissenschaft und Technologie in Shenzhen haben dafür das Wasserkraftpotenzial von knapp drei Millionen Flüsse berechnet.

Demnach könnten zusätzlich zu den bereits bestehenden Wasserkraft-Kapazitäten pro Jahr noch 5,27 Petawattstunden Strom produziert werden. Das entspricht rund 19,5 Prozent der globalen Stromerzeugung im Jahr 2020 (27 Petawattstunden). Das Gros der Kapazitäten liege dabei entlang des Himalaya-Gebirges. Auch dem Kampf gegen den Klimawandel würde das zugute kommen: Würden alle ungenutzten, profitablen Kapazitäten an Wasserkraft tatsächlich ausgebaut, könnten im Vergleich zu fossilen Energieträgern enorme Mengen an CO₂ vermieden werden, geschätzt 3,4 Milliarden Tonnen pro Jahr. Das entspreche in etwa 8,2 Prozent der globalen menschengemachten CO₂-Emissionen.

Dem Forscherteam zufolge werden bereits 16 Prozent des weltweit produzierten Stroms durch Wasserkraft erzeugt. Allerdings sind Wasserkraftwerke durchaus umstritten. Sie stören die Ökosysteme von Flüssen, behindern Fische bei ihren Wanderungen, Menschen müssen für Stauseen umgesiedelt werden. Zum Teil gibt es aber auch handfeste diplomatische Konflikte. Beispiel Äthiopien: Hier soll noch in diesem Jahr mit dem Grand Ethiopian Renaissance Dam der größte Staudamm Afrikas fertiggestellt werden. Mit dem aufgestauten Wasser aus dem Blauen Nil soll künftig im ebenfalls größten Wasserkraftwerk des afrikanischen Kontinents eine Leistung von 6.000 Megawatt erbracht werden. Allerdings erfreut das Projekt die flussabwärts gelegenen, vom Nilwasser abhängigen Staaten Ägypten und Sudan weniger. Der ägyptische Machthaber Abdel Fattah al-Sisi sprach von einer „roten Linie“ im Zusammenhang mit dem äthiopischen Staudamm und Ägyptens nationaler Sicherheit. Ägypten sieht im Falle von Dürren seine Wasserversorgung gefährdet. Im Sudan sieht man das ähnlich.

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