Wasserstoffrat setzt auf blauen Wasserstoff

vom 03.07.2021

Der Nationale Wasserstoffrat hat einen (ersten) Aktionsplan vorgelegt, auf dessen Basis eine nationale Wassserstoffwirtschaft entstehen soll. Das aus 26 Vertretern von Industrie, Wissenschaft und Umweltverbänden bestehende Gremium verweist dabei auf die Bedeutung einer möglichst zügigen Umsetzung. Denn nur vordergründig sei noch viel Zeit, bis Deutschland 2045 klimaneutral sein soll. Hierfür müssten nämlich bereits in den nächsten ein bis zwei Jahren Grundlagen geschaffen werden.

Die Vorsitzende des Wasserstoffrats, Katherina Reiche, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Wasserstoff sei nun keine Option mehr, sondern ein Muss. Allerdings gibt Reiche zu bedenken, dass die Politik schnell bei der Festlegung von Zielen sei, „aber es gibt noch keinen Fahrplan, wie wir diese Ziele auch erreichen können.“

Der „Wasserstoff Aktionsplan Deutschland 2021 – 2025“ enthält 80 Vorschläge für die nächste Bundesregierung, die auch jeweils zeitlich priorisiert werden. An erster Stelle steht dabei die Verfügbarkeit grünen Wasserstoffs, gefolgt von der Erfassung des CO2-Fußabdrucks der in den industriellen Verfahren eingesetzten Gase durch die Einführung einheitlicher Herkunftsnachweise. Auch im Verkehrssektor besteht nach Ansicht des Wasserstoffrates kurzfristiger Handlungsbedarf innerhalb der kommenden beiden Jahre. Insbesondere geht es hierbei um den Aufbau einer europaweiten Tankstelleninfrastruktur.

Bleibt diese Diagnose weithin unwidersprochen, ist ein Kernfazit des Aktionsplanes heftig umstritten. Dieser empfiehlt blauen Wasserstoff, um den Markthochlauf zu gewährleisten. Dagegen will etwa der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) konsequent auf grünen Wasserstoff setzen. Die BEE-Präsidentin Simone Peter verweist darauf, dass eine klimafreundliche Wasserstoffproduktion nur mit grünem Wasserstoff möglich sei. Die Produktion von blauem Wassertstoff berge Risiken. „Neben Kapazitätsrisiken wie der begrenzten Anzahl von hochwertigen CCS-Endlagerstätten sind auch Akzeptanzfragen und schwer kalkulierbare Preise für Erdgas, CO2 und CCS mit in die Entscheidung einzupreisen“. Hier würden beim Nationalen Wasserstoffrat offenbar beide Augen zugedrückt.

Für den Markthochlauf einer Wasserstoffwirtschaft will die Bundesregierung in den kommenden beiden Jahren neun Milliarden Euro ausgeben.

Das Wasserstoffkernnetz nimmt Reservierungen entgegen.