Zubauflaute bei Offshore-Windkraft?

Ende 2015 waren im deutschen See-Hoheitsgebiet 1.680 Windenergieanlagen mit einer kumulierten Leistung von 9,7 Gigawatt in Betrieb. Bis 2030 soll sich dieser Wert auf 20 Gigawatt mehr als verdoppeln und bis 2040 nochmals auf 40 Gigawatt steigen.

Doch aktuell herrscht auf See beim Zubau neuer Windenergieanlagen eher Flaute. Erst im Mai zogen sich die Energiekonzerne BP und Total Energies aus eigentlich geplanten Offshore-Windprojekten zurück.

Laut dem Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) stehen aktuell 16 Gigawatt Offshore-Windkraft auf der Kippe; es handelt sich um bereits vergebene Flächen, die wegen Verzögerungen beim Netzanschluss und eines unattraktiven Auktionsdesigns nicht bebaut werden.

Der führende deutsche Windenergiekonzerne ist Siemens Energy über seine Tochter Siemens Gamesa Renewable Energy. Siemens Energy-CEO Christian Bruch zufolge wäre es „ein absolut fatales Zeichen für die deutsche Industrie“, würden die geplanten 16 Gigawatt nicht realisiert. Sollten die Windparks nicht entwickelt werden, sei die gesamte Industrie gegen Ende des Jahrzehnts nicht mehr ausgelastet. „Dann wird die ganze Lieferkette, die vorher investiert hat, diskutieren, ob sie Personal abbaut – für ein Produkt, das wir eigentlich brauchen.“ Die Branche sei schon „nah dran am Fadenriss“. Bruch forderte, alles daran zu setzen, zumindest einen Teil der vergebenen Flächen tatsächlich zu bebauen.

Der Windkraftausbau geht in Deutschland derzeit eher langsam voran. Im Februar wurde die Marke von rund zehn Gigawatt installierter Offshore-Windleistung genommen. Siemens Gamesa-CEO Vinod Philip sorgt die Entwicklung ebenfalls. Verfehlte Ziele führten zu einer Abwärtsspirale. „Die Fabriken sind bis 2028 voll – aber wir brauchen auch danach Auslastung“. Die europäische Lieferkette habe im Hinblick auf das europäische Ziel von 120 Gigawatt Offshore-Wind bereits rund 15 Milliarden Euro investiert. Deshalb brauche es Planungssicherheit.

Auch bei der letzten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur im August 2025 war die Entwicklung zu beobachten: Erstmals gingen keine Gebote ein. Deshalb soll nun ein neues Ausschreibungsdesign her. Vorbild soll Großbritannien sein, wo man Erfahrungen mit Differenzverträgen gemacht hat.

Windräder auf See